Künftig fließt mehr Geld nach Oldenburg: Standort für Niedersachsens dritte Universitätsklinik
Oldenburg feiert einen Quantensprung, Braunschweig lediglich einen Tropfen auf den heißen Stein. Fast zeitgleich erreichten die Öffentlichkeit in diesen Tagen zwei Meldungen: Das bisherige Städtische Klinikum Oldenburg wird Universitätsklinik und künftig zu großen Teilen vom Land Niedersachsen finanziert. Das Städtische Klinikum Braunschweig erhält dagegen einen vergleichsweise bescheidenen Zuschuss in Höhe von 50 Millionen Euro für die weitere Finanzierung des bei Gesamtkosten von inzwischen einer Milliarde Euro stark unter Druck geratenen Zwei-Standorte-Konzepts. Das Klinikum in Braunschweig muss Defizite und Baukosten weiterhin überwiegend durch Schuldenaufbau und damit mittelbar zulasten des ohnehin schon extrem angespannten städtischen Haushalts tragen.
Politisches Engagement
Die Stadt Oldenburg hat ihr Klinikum (ca. 850 Betten) durch intensive Vorarbeiten und beharrliches politisches Engagement als drittes Universitätsklinikum Niedersachsens neben der Medizinischen Hochschule Hannover (ca. 1.500 Betten) und der Universitätsmedizin Göttingen (ca. 1.600 Betten) etabliert. Die Krankenhausfinanzierung von Universitätskliniken ist im Krankenhausfinanzierungsgesetz geregelt und folgt dem Grundsatz der „dualen Finanzierung“. Dabei werden die Betriebskosten der Patientenversorgung von den Krankenkassen getragen, während die Investitionskosten grundsätzlich durch das jeweilige Bundesland finanziert werden.

Zur Chefsache erklärt
„Auf dieses Ziel haben wir lange hingearbeitet“, sagt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der das Klinikum früh erfolgreich zur Chefsache erklärt hatte. Das hätten sich viele auch in Braunschweig gewünscht. Allerdings verfügt Oldenburg auch über eine medizinische Fakultät. Die Umwandlung in Oldenburg wurde dem Sozialausschuss durch den Krankenhausplanungsausschuss mitgeteilt. Zuständiges Fachministerium für die niedersächsischen Universitätskliniken ist das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover. Es steuert und fördert die medizinischen Hochschulen des Landes.
Nur Wahlkampfgetöse
Das Städtische Klinikum Braunschweig (ca. 1.500 Betten) ist das größte kommunale Krankenhaus Niedersachsens und hinsichtlich seiner Bedeutung für die medizinische Versorgung mit den nunmehr drei Universitätskliniken vergleichbar. Bedeutung und Nutzen für die Bevölkerung sind identisch, die Förderung jedoch nicht. Das erscheint kaum angemessen. Die Gesamtkosten des Zwei-Standorte-Konzepts werden im Wirtschaftsplan mit einer Milliarde Euro veranschlagt. Nach der unerwarteten Kostensteigerung um 200 Millionen Euro im vergangenen Jahr deckt der Landeszuschuss lediglich ein Viertel dieses Betrags ab. Kritiker meinen, dass das kein Anlass zu überschwänglichem Jubel sei. Der sei wohl vor allem dem Kommunalwahlkampf geschuldet ist. Bereits zuvor hatte das Klinikum mit einem Defizit von mehr als 76 Millionen Euro für Aufsehen gesorgt.
Plötzliches Umdenken
Noch arbeitet das Städtische Klinikum an den beiden Standorten Fichtengrund und Celler Straße. Langfristig soll dies jedoch Geschichte sein. Strategisches Ziel ist nunmehr ein Ein-Standort-Konzept. Geplant sei, sämtliche medizinischen und nichtmedizinischen Leistungen vollständig am Standort Fichtengrund zu bündeln, teilte das Klinikum kürzlich mit. Hintergrund ist unter anderem die sogenannte Zwei-Kilometer-Regel im Rahmen der Krankenhausreform des Bundes.
Keine „Lex Braunschweig“ bislang
Die Vorschrift besagt, dass Klinikstandorte maximal 2.000 Meter Luftlinie voneinander entfernt liegen dürfen, um rechtlich als ein gemeinsamer Standort zu gelten. Ist der Abstand größer, wie zwischen Fichtengrund und Celler Straße, werden die Gebäude als eigenständige Krankenhäuser gewertet. Dies kann zu Leistungseinschränkungen, zusätzlichem bürokratischem Aufwand oder dem Wegfall von Finanzierungsmöglichkeiten führen. Zudem müssten kostspielige Doppelstrukturen geschaffen werden, sofern beide Standorte dauerhaft erhalten bleiben sollen. Mit einer „Lex Braunschweig“ ist die Stadt bislang gescheitert, sodass das Umdenken offenbar der Notwendigkeit geschuldet ist.











