Aufsichtsrat stellt den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Brinkmann wegen „unterschiedlicher Auffassungen“ frei
Der Aufsichtsrat der Volksbank Brawo hat den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Brinkmann mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt. Grund dafür sind unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Unternehmensgruppe, heißt es in einer Presseerklärung. Lars Berkefeld wird zunächst als Vorstandssprecher an die Spitze der Bank rücken. Unterstützt wird er von Carsten Ueberschär, der seit Jahresbeginn Mitglied des Vorstands ist. Es soll weiterhin drei Vorstandsmitglieder geben. Die vakante Position soll extern besetzt werden, erklärt die Bank. Der Prozess sei bereits angestoßen worden.
Riskante Immobiliengeschäfte
Unter der Führung von Jürgen Brinkmann hatte sich die Volksbank Brawo von ihrem ursprünglichen Geschäftsmodell einer klassischen Regionalbank entfernt. Sie trat zunehmend als Investor auf, ging erhöhte Risiken ein und erwarb beispielsweise Immobilien weit über ihr Kerngeschäft hinaus, etwa in Magdeburg, Hamburg, Düsseldorf, Duisburg oder Köln. Aufgrund der umfangreichen Immobilienaktivitäten und der unübersichtlichen Unternehmensstruktur mit rund 400 Tochterunternehmen und Beteiligungen stand die Volksbank Brawo seit Längerem in der Kritik.
Die Volksbank Brawo wurde bereits im November vergangenen Jahres von der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zum „Präventionsfall“ erklärt. Nun schlägt der neue Vorstand dem Aufsichtsrat vorsorglich vor, bei der Sicherungseinrichtung des BVR einen Antrag auf Unterstützungsmaßnahmen zu stellen. Für Mitglieder, Kunden und Mitarbeiter habe dies keine Auswirkungen, zitiert die Bank den neuen Vorstandssprecher Lars Berkefeld.
Unklar ist jedoch, was perspektivisch etwa aus Sponsoringaktivitäten wie dem Engagement für Eintracht Braunschweig, Veranstaltungen wie dem Tennisturnier Brawo Open oder bedeutenden Innenstadt-Immobilien wie dem ehemaligen Horten- oder Karstadt-Gebäude wird. Gleiches gilt für das Kindernetzwerk United Kids Foundations, das vor 20 Jahren von Jürgen Brinkmann und Robert Lübenoff (München) initiiert wurde.

Restrukturierung erforderlich
„Die Volksbank Brawo erfüllt die erforderlichen harten Kapital- sowie Liquiditätsanforderungen. Der Vorstand hält den Antrag jedoch für hilfreich, um die Neuausrichtung der Brawo Group zu erleichtern“, sagt Berkefeld, der seit September 2024 im Vorstand die Ressorts Marktfolge, Steuerung, Compliance und Nachhaltigkeit verantwortet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Bank die aus Wertberichtigungen resultierenden Risiken aus eigener Kraft abbauen könne. Die Volksbank will im Zuge der Berichterstattung über den Jahresabschluss 2025 detailliert über erforderliche Restrukturierungsmaßnahmen informieren.
Kritisch sind auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig „gegen verantwortlich Handelnde der Volksbank BraWo“ wegen des Verdachts der Untreue zu sehen (Aktenzeichen 423 Js 14048/26 und 423 Js 14052/26). Hintergrund sind offenbar bilanzielle Vorgänge im Zusammenhang mit dem Streit um die BraWo-Töchter Jitpay und BG Gastro. Vorwürfe aus einer Klage des Jitpay-Gründers weist die Bank nach einem Bericht des Handelsblatts zurück.
Jürgen Brinkmann war seit 1999 Mitglied des Vorstands der ehemaligen Volksbank Braunschweig eG. Seit dem Geschäftsjahr 2005 war er Mitglied des Vorstands der mit dem Wolfsburger Institut fusionierten Volksbank Brawo. Zum 1. Januar 2012 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Unter seiner Führung wuchs die Volksbank Brawo stetig und verzeichnete zuletzt eine Bilanzsumme von 6,4 Milliarden Euro.











