Viele Unbekannte machen die „Stifthöfe“ zum Risiko

Ob das so schlau war? Die Burgpassage musste den „Stiftshöfen“ weichen. Foto: BiF
Ob das so schlau war? Die Burgpassage musste den „Stiftshöfen“ weichen. Foto: BiF

Von der Aussage „Man baut nicht, wenn man nicht verkauft hat“ will die Stadt nichts mehr wissen

Die Stadt spielt mögliche finan­zi­elle Risiken beim 95-Millionen-Euro-Projekt „Stifts­höfe“ weiter herunter. Das Finan­zie­rungs­kon­zept der Stifts­höfe habe sich seit Beginn des Projekts im Jahr 2024 nicht geändert, beschwich­tigte sie in der Antwort auf eine entspre­chende Anfrage während der jüngsten Ratssit­zung. Dabei klang der geplante Ablauf im Mai 2024 noch ganz anders. Damals sagte die Geschäfts­füh­rerin der projekt­ver­ant­wort­li­chen Struktur-Förderung Braun­schweig (SFB), Natascha Wessling, gegenüber der Braun­schweiger Zeitung nämlich: „Man baut nicht, wenn man nicht verkauft hat.“ Heute heißt es dagegen, es handele sich um einen sogenannten Forward­deal, bei dem die Immobilie nach Fertig­stel­lung und bei Inbetrieb­nahme an einen Investor veräußert würde. Die neue Debatte um Risiko oder nicht war nach unserem Beitrag „Stadt scheitert mit Finanz­kon­zept für Stifts­höfe“ entbrannt.

Handeln aufs Geratewohl

Das unver­dros­sene Weiter­ma­chern aufs Gerate­wohl der SFB, eine 100-prozen­tige Tochter der Stadt, ist ein Parade­bei­spiel für risiko­rei­ches Handeln, das sich die Stadt angesichts ihrer sich immer weiter auftür­menden Rekord­ver­schul­dung nicht mehr leisten sollte. Es kann gutgehen, aber es muss eben nicht. Es gibt keinen Investor, aber gebaut werden soll dennoch. Es ist dazu nicht absehbar, ob die kalku­lierten Baukosten gehalten werden oder die kalku­lierten Erlöse auch tatsäch­lich erzielt werden können. „Wir bauen nicht auf Vorrat und gucken dann mal“, hatte Baude­zer­nent Gerold Leppa in besagtem BZ-Interview parallel versi­chert. Doch davon ist jetzt keine Rede mehr.

Denn mit der Unter­zeich­nung des Mietver­trages mit dem Hotel­be­treiber Motel One hat sich die SFB und damit die Stadt selbst in die Zwick­mühle manövriert. Mit der einge­gan­genen Bauver­pflich­tung gibt es nun kein Zurück mehr, egal, was passiert. Der Vertrag kann ohne Ansprüche auf Schaden­er­satz nur noch durch ein Scheitern der Bauge­neh­mi­gung gelöst werden. Wer unter diesen Voraus­set­zungen nicht das geringste Finan­zie­rungs­ri­siko sieht, muss schon ein unver­bes­ser­li­cher Optimist sein.

Durchhalteparolen der Stadt

So setzt die Stadt auf Durch­hal­te­pa­rolen. Der Dialog mit Inter­es­senten werde konti­nu­ier­lich fortge­führt. Die angespro­chenen mehr als 200 Inves­toren würden über aktuelle Fortschritte im Projekt infor­miert. Zudem sei man in direktem Austausch mit verschie­denen Versi­che­rungen und Fonds. Ein Kontakt zu Maklern sei bereits herge­stellt. Ziel sei es bis zur Inbetrieb­nahme einen Investor gefunden zu haben. Kein Wort darüber, dass das konzep­tio­nell etwas anderes ist, als ursprüng­lich öffent­lich kommu­ni­ziert wurde.

Im BZ-Interview hatte Leppa, damals noch Wirtschafts­de­zer­nent und noch nicht in Perso­nal­union auch Baude­zer­nent, erklärt: „Die SFB entwi­ckelt, hat aber das Ziel, die Grund­stücke nachher zu verkaufen. Wir haben nicht als Ziel, die Grund­stücke dort lange im Besitz zu halten. Wir haben nicht vor, Experi­mente zu wagen. Unser Ziel ist es, so risiko­mi­ni­miert wie möglich vorzu­gehen. Wir entwi­ckeln die Projekte, haben Mieter, suchen Inves­toren. Die Ideal­vor­stel­lung ist: Wir bauen, wenn alles klar ist.“ Klar ist aber zurzeit noch gar nichts. Auch für die geplanten Wohnungen gibt es noch keine Käufer.

Prinzip Hoffnung

Auf die BZ-Nachfrage „Das heißt, das Hotel müsste bei Baubeginn schon verkauft sein?“ antwor­tete die SFB-Geschäfts­füh­rerin Natascha Wessling: „Ja. Das ist gesetzt. Das Hotel wird an einen insti­tu­tio­nellen Investor verkauft. … Die Wohnungen gehen an Eigen­tümer. Die Schule kommt aus dem städti­schen Haushalt. Und die Schule gehört nachher der Stadt. Das Projekt ist also nicht irgend­etwas, wo die Stadt sich jetzt ein Hotel baut.“ In der Antwort zur Ratsan­frage hofft die Stadt, dass sie im Laufe der Reali­sie­rungs­phase doch noch Inves­toren findet. Bis dahin muss alles über Kredite finan­ziert werden, die letzten Endes der Steuer­zahler berappen muss. Es bleibt das Prinzip Hoffnung, dass das Projekt „Stifts­höfe“ nicht im Desaster endet.

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