Theater geht auch ohne Subventionen

Szene aus dem Stück "Mehr Schein als Sein". Foto: Komödie am Altstadtmarkt
Szene aus dem Stück "Mehr Schein als Sein". Foto: Komödie am Altstadtmarkt

Florian Battermann schreibt mit der „Komödie am Altstadtmarkt“ seit 22 Jahren eine Erfolgsgeschichte

• Publikumsgeschmack ausschlaggebend
• Mehr als die üblichen Boulevardstücke

Theater ist für ihn eine Ware. Sie will gut produ­ziert sein und an den Mann gebracht werden. Sie muss dem Publikum gefallen, denn das bezahlt, ebenso wie beim Bäcker fürs Brot oder beim Friseur für den Haarschnitt. Florian Batter­mann, Direktor der „Komödie am Altstadt­markt“, beweist seit nunmehr 22 Jahren, dass er sein Handwerk bestens versteht, denn er muss Gewinne erwirt­schaften, um die Miete für die Räume, die engagierten Schau­spieler und die fest angestellten Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­beiter bezahlen zu können. Und natürlich muss er auch selbst von dem Überschuss leben können.

Wenn es ihm nicht gelänge, die Theater­be­su­cher immer wieder aufs Neue zu überzeugen, wäre das Wagnis mit der Gründung eines eigenen Theaters schnell vorbei gewesen. Aber es wurde und ist eine Braun­schweiger Erfolgs­ge­schichte. Florian Batter­mann will mit seinem Theater bestens unter­halten, was mit einem spannenden Krimi­nal­stück ebenso gehen kann wie mit einer pointen­rei­chen Komödie. Der Publi­kums­ge­schmack ist ausschlag­ge­bend. Ihn zu treffen, gilt es für ein Privat­theater, das ohne staat­liche Subven­tionen auskommen muss.

Abos vor dem ersten Stück

Am 2. Oktober 2003 wurde die Komödie am Altstadt­markt in den ehema­ligen Räumen des Kinos „Lupe“ eröffnet. Schon bevor auf der Bühne auch nur das erste Wort gespro­chen war, hatten sich schon 80 Theater­be­geis­terte für ein Jahresabo entschlossen. „Viele haben offenbar auf ein Theater wie unseres gewartet. Wir nennen uns zwar ‚Komödie‘, aber wir führen nicht nur lustige Stücke, sondern auch ernst­hafte und anspruchs­volle auf“, erläutert Florian Batter­mann sein Konzept.

Gar kein Problem hat der „Theater­ma­cher“ damit, nicht auf öffent­liche Förderung bauen zu können. „Bei uns gibt es keinen doppelten Boden. Wir müssen uns immer wieder aufs Neue anstrengen. Der Bäcker oder der Friseur erhalten schließ­lich auch keine Subven­tionen vom Staat. Wie bei ihnen kommt es darauf an, die Kunden zu gewinnen und zu binden. Es ist sehr schön, dass uns das gelingt. Wir haben ein treues Publikum“, weiß der 52 Jahre alte Batter­mann, dass er sich auf die Braun­schweiger verlassen kann.

Niedersachsens größtes Boulevardtheater

Die „Komödie am Altstadt­markt“ ist Braun­schweigs einziges unsub­ven­tio­niertes Privat­theater und gleich­zeitig mit 306 Plätzen Nieder­sach­sens größtes privates Boulevard- und Unter­hal­tungs­theater. Rund 1,4 Millionen Euro müssen jährlich in der Kasse bleiben, um den Betrieb so quali­tät­voll aufrecht­zu­er­halten wie bisher. Das Theater finan­ziert sich fast ausschließ­lich über den Verkauf von Eintritts­karten.
Auf dem Spielplan stehen je Spielzeit etwa sieben Eigen­pro­duk­tionen sowie alljähr­lich ein Kinder­thea­ter­stück zur Weihnachts­zeit. Da das Haus, wie bei Privat­thea­tern allgemein üblich, über kein dauerhaft festes Ensemble verfügt, tragen neben zahlrei­chen erfah­renen Bühnen­schau­spie­lern auch immer wieder promi­nente Darstel­le­rinnen und Darsteller zum Erfolg bei. Abgerundet wird der Spielplan durch zahlreiche Gastspiele sowie Comedy- und Kabarett­pro­gramme.

Auf Tournee und open-air

Gespielt wird im Prinzip jeden Tag. Neben den 250 Auffüh­rungen im eigenen Haus, gibt die „Komödie am Altstadt­markt“ pro Saison noch bis zu 100 deutsch­land­weite Gastspiele ihrer Eigen­pro­duk­tionen von Wester­land auf Sylt bis Singen am Bodensee. Und im Sommer stehen dazu zwanzig Open-Air-Auffüh­rungen im Mühlen­mu­seum Gifhorn an. Insgesamt werden so jährlich mehr als 100.000 zahlende Besucher bei den Auffüh­rungen begrüßt.

Florian Battermann. Foto: Axel Emmert
Florian Batter­mann. Foto: Axel Emmert

Florian Batter­mann, der tatkräftig von seiner Exfrau Bettina sowie einem begeis­terten Team unter­stützt wird, ist nichts zu viel, was mit dem Theater zu tun hat. „An jedem Tag habe ich hier ausge­spro­chene Glücks­ge­fühle. Es ist das, was ich immer machen wollte“, sagt er. Bereits seit seinem siebzehnten Lebens­jahr verfasst er Theater­stücke. Bislang hat er 72 Komödien, Krimis und Schau­spiele geschrieben, übersetzt und bearbeitet. Weitere werden folgen. Noch gehen dem Theater­ma­cher die Ideen nicht aus.

Zu seinen heraus­ra­genden Theater-Insze­nie­rungen zählen Til Schwei­gers Kino-Hit „Honig im Kopf“ und Steven Spiel­bergs Kino-Drama „Oskar Schind­lers Liste“, die bundes­weit große Anerken­nung fanden. Damit unter­strich Florian Batter­mann, dass das Spektrum der „Komödie am Altstadt­markt“ weit über die üblichen Boule­vard­stücke hinaus­geht.

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