Die Alternative: 50 Millionen für den Schuldenabbau und 50 Millionen für die Sanierung bestehender Radwege
Endlich ein Vorschlag der Vernunft: Das umstrittene Konzept der Velorouten soll zu den Akten gelegt werden und stattdessen zu gleichen Teilen zum Schuldenabbau und zur Sanierung des bestehenden, aber an vielen Stellen maroden Radwege-Systems in der Stadt genutzt werden. Experten gehen davon aus, dass die Realisierung aller Velorouten mit einem Finanzbedarf von 100 Millionen Euro verbunden wäre. Über das Aus der Velorouten und die schnelle Sanierung der bestehenden Radverkehrsinfrastruktur wird in den Ratsgremien bis zum 30. Juni gestritten. Dann wird der Rat über den von der CDU eingebrachten Antrag final entscheiden. Vorgeschaltet sind die Ausschüsse für Mobilität (9. Juni), Finanzausschuss (11. Juni) und Verwaltungsausschuss (17. Juni).
„Das bestehende Radwegenetz in Braunschweig ist grundsätzlich gut ausgebaut, weist aber an vielen Stellen erhebliche Mängel auf. Das weiß jeder, der regelmäßig auf den stark befahrenen straßenbegleitenden Radwegen unterwegs ist. Diese machen mit rund 240 Kilometern den größten Teil des Streckennetzes von insgesamt knapp 440 Kilometern Länge aus. Doch auch die etwa 200 verbleibenden Kilometer aus Fahrradrouten mit Wegweisung des Alltagsnetzes sind sanierungsbedürftig“, heißt es in dem Antrag.
Es sind im Wesentlichen drei Gründe, die den Antrag vernünftig erscheinen lassen:
- Die Stadt ist hoffnungslos überschuldet. Allein in der laufenden Ratsperiode unter Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) hat sich die Schuldenlast von 2021 bis 2024 um 650 Millionen Euro erhöht. Ein Abschluss für das Jahr 2025 liegt noch nicht vor. Die Schuldenlast dürfte aber auf eine Milliarde Euro angewachsen sein. Die Prognose für das Jahr 2029 deutet auf einen katastrophalen Schuldenberg in Höhe von zwei Milliarden Euro hin, wenn das Steuer in der Haushaltspolitik nicht rumgerissen wird. Es ist höchste Zeit nicht nur Geld mit vollen Händen auszugeben, sondern mit dem Sparen bei unnötigen Projekten wie den Velorouten zu beginnen. Das wäre ein starkes Symbol für die Bürger.
- Die Akzeptanz der Velorouten ist bei der Bevölkerung mehrheitlich offenbar nicht vorhanden. Die lange Bauzeit von rund eineinhalb Jahren allein für den kleinen Abschnitt von der Museumstraße bis zur Helmstedter Straße hat zu erheblichen Einbußen bei anliegenden Betrieben, Praxen und Geschäften geführt. Teilweise war sogar die Aufgabe am Standort die Folge. Die Sorgen und die Kritik von Anrainern an den geplanten Velorouten sind erheblich. Sie verdienen, ebenso Gehör zu finden wie die Lobbyisten des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Denn es ist ein Irrglaube, dass der ADFC die Meinung aller Radfahrer vertritt.
- Als krasses Beispiel verwahrloster Radwege gilt der Abschnitt am Bienroder Weg. Auf einer Länge von 2,5 Kilometer ist sein Zustand mangelhaft. Die gravierenden Schäden führen dort regelmäßig zu gefährlichen Situationen und waren bereits Thema im Mobilitätsausschuss. An erster Stelle muss also die Sicherheit der Bürger stehen, deswegen sollte die Instandsetzung der bestehenden Radwege Priorität haben. So ließen sich sicher mehr Menschen motivieren, innerstädtisch das Fahrrad zu benutzen als die geplanten Radschnellstraßen. Das ginge zudem sicherlich erheblich zügiger als die teuren Velorouten anzulegen. Den Bürgern, insbesondere auch den Schülern, wäre damit deutlich mehr geholfen.
Die Debatten werden kontrovers. Die Bürger sind aber gespannt, ob die Kommunalpolitik Realitätssinn beweist und kostenbewusst den unaufschiebbaren Handlungsbedarf bei der Sanierung der bestehenden Infrastruktur priorisiert oder doch wieder mehrheitlich auf das ungeliebte, rot-grüne Prestigeprojekt in weiter Ferne setzt.











