Neue Schulden: Weder für Hotel noch für Wohnungen fanden sich trotz langer Suche Investoren
Es ist bemerkenswert, mit welcher Nonchalance die Stadt über das Scheitern ihres Finanzierungskonzepts für die Stiftshöfe hinweggeht. „Das Projekt ist so konzipiert, dass es nur zum Teil von der Stadt selbst getragen wird. Der Ankauf des Grundstücks für die Schule und deren Bau wird aus Haushaltsmitteln finanziert. Das Hotel und das Wohnen sollen sich selbst tragen und durch entsprechende Investoren finanziert werden“, hieß es noch im Februar vergangenen Jahres. Jetzt musste die Stadt eingestehen, dass es ihr nicht gelungen ist, Investoren zu finden und sie gemeinsam mit ihrer hundertprozentigen Tochter, Braunschweig Struktur-Förderung (SFB), die kalkulierten 95 Millionen Euro bis auf weiteres allein tragen muss. Nach dem Abriss der beliebten Burgpassage soll der Baubeginn des Prestigeprojekts im Sommer sein.
Kritik am Prestigeprojekt
Kein Wort fand Oberbürgermeister Thorsten Kornblum zum Misserfolg der SFB und ihrer Geschäftsführerin Natascha Wessling. Stattdessen jubelte er darüber, dass ein Generalunternehmer für den Bau gefunden wurde: „Ein großer Schritt für die Stiftshöfe ist geschafft. Mit der Beauftragung der Köster GmbH als Generalunternehmer geht die Entwicklung des ehemaligen Burgpassagen-Areals jetzt in die entscheidende Bauphase. Ich freue mich sehr, dass dieses Schlüsselprojekt für unsere Innenstadt planmäßig vorankommt.“ Planmäßig? Bis auf die Finanzierung eben, die die ohnehin unverantwortlich hoch verschuldete Stadt noch tiefer in die roten Zahlen ziehen wird. Die „Stiftshöfe“ werden angesichts der neuen Faktenlage stärker in die Kritik rücken.
Fehleinschätzung mit Folgen
Denn bislang hatte es immer geheißen, dass Hotel und Wohnungen von Investoren finanziert und die Stadtfinanzen nicht belasten würden. Daraus wurde nun nichts, doch das Eingeständnis der Fehleinschätzung kommt der verantwortlichen Geschäftsführerin nicht über die Lippen. Corona und der Ukraine-Krieg seien schuld, wird Wessling in der Braunschweiger Zeitung zitiert. Die Investoren stiegen wohl erst auf der Zielgeraden ein, hofft sie. Experten mit denen „Braunschweig im Focus“ sprach, sind nicht davon überzeugt, dass sich die Objekte zu den gewünschten Preisen vermarkten ließen.
Immobilienbranche in der Krise
Die Krise im Immobilienbereich habe nichts mit Corona oder dem Ukraine-Krieg zu tun, meinen sie. Gründe seien vielmehr höhere Zinsen, geringe Nachfrage nach Einzelhandelsimmobilien und Büros. So seien zum Beispiel bei Bestandsimmobilien im Einzelhandel bei auslaufenden Mietverträgen in der Regel weniger als die Hälfte der bisherigen Mietpreise zu realisieren. Ähnlich verhalte es sich bei Büromieten. Das wirke sich auf die Kaufpreise von sowohl Bestandsimmobilien als auch Neubauten aus. Es gebe sogar Beispiele von Immobilienfonds, die ihre Objekte lieber leer stehen ließen, damit sie bei niedrigeren Mieteinnahmen keine Wertberichtigung ihrer Immobilien vornehmen müssten. Die Stadt droht, beim Prestigeprojekt „Stiftshöfe“ letztlich auf Millionen Euro sitzen zu bleiben. Es existiert fraglos ein Risiko, da nützt auch alles Beschwichtigen nichts.
Für die Kreditablösung für die 35 Wohnungen sind 20 Millionen Euro erforderlich, für die des bereits an Motel one vermieteten Hotels 35 Millionen Euro. Die 40 Millionen Euro für Grundstückskauf und die Schulerweiterung werden aus dem Kernhaushalt der Stadt finanziert.










