Seit 1876 wird im Hofbrauhaus an der Wolfenbütteler Straße Bier gebraut, jetzt droht das Aus
Angesichts der Insolvenz der Braunschweiger Traditionsbrauerei Wolters fordert die CDU-Ratsfraktion einen „Runden Tisch“, um gemeinsam Lösungen für die Zukunft des Unternehmens zu erarbeiten. Der Fraktionsvorsitzende Thorsten Köster appelliert an Oberbürgermeister Thorsten Kornblum, Vertreter der Geschäftsführung, des Betriebsrats, der Gastronomie, der Volksbank BraWo sowie die Spitzen der Ratsfraktionen kurzfristig an einen Tisch zu holen. Ziel sei es, ein tragfähiges Rettungspaket zu entwickeln und Wolters als „Brauerei der Zukunft“ neu aufzustellen.
Gestiegene Kosten
Hintergrund der Forderung ist die aktuelle wirtschaftliche Krise der Hofbrauhaus Wolters GmbH. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Braunschweig Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Als Gründe nennt die Brauerei die anhaltende Absatzschwäche sowie deutlich gestiegene Produktions‑, Energie- und Logistikkosten. Die gesamte deutsche Brauwirtschaft leidet seit Jahren unter schwierigen Rahmenbedingungen. Hinzu kommen Konsumzurückhaltung und ein rückläufiger Bierabsatz. Nach Unternehmensangaben sank der Bierabsatz in Deutschland im Jahr 2025 erneut um sechs Prozent.
Fokus auf regionalen Markt
Trotz des Insolvenzantrags wird der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgeführt. Die Mitarbeiter wurden bereits über das Verfahren informiert, ihre Löhne und Gehälter gelten als gesichert. Begleitet wird die Sanierung von der Kanzlei Eckert Rechtsanwälte sowie der Eckert Assurance GmbH. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Torsten Gutmann bestellt. Ziel des Verfahrens ist es, die Brauerei strategisch neu auszurichten. Künftig soll der Fokus stärker auf dem regionalen Markt liegen. Gleichzeitig plant Wolters den Wandel vom klassischen Bierhersteller zu einem breiter aufgestellten Getränkeunternehmen. Insbesondere alkoholfreie Produkte sollen künftig eine größere Rolle spielen.
„Wie der Löwe auf dem Burgplatz“
Die aktuelle Krise erinnert viele Braunschweiger an das Jahr 2005, als der damalige Eigentümer InBev die Schließung des Standorts ankündigte. Damals verhinderten eine breite Solidaritätsbewegung in der Bevölkerung sowie die Unterstützung der Stadt Braunschweig das Aus der Traditionsbrauerei. „Wolters gehört zu Braunschweig wie der Löwe auf unseren Burgplatz. Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist eine schwierige Situation für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und unsere Stadt als Ganzes – aber sie ist lösbar. Wir erwarten vom Management und dem Sachwalter deshalb ein Konzept, das Wolters als Brauerei der Zukunft positioniert“, teilt der CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Köster mit.
Volksbank BraWo alleiniger Eigentümer
Eine wichtige Rolle für die Zukunft von Wolters spielt die Volksbank BraWo. Sie ist, selbst in schwieriger Lage, alleinige Eigentümerin der Hofbrauhaus Wolters GmbH. Die Volksbank begründete 2021 ihr Investment mit ihrem Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens und dessen strategische Weiterentwicklung.
Bereits Ende des vergangenen Jahres musste die einstige Bierstadt Braunschweig einen herben Verlust hinnehmen. Am ehemaligen Traditionsstandort der Feldschlösschen Brauerei wird bereits kein Bier mehr gebraut. Die Oettinger Brauerei, die die Produktionsstätte 2009 von Calsberg erworben hatte, gab die Produktion an diesem Standort auf. Die Brauerei gab es bereits seit 1871. Der Name Wolters tauchte erstmals 1734 auf. An der Wolfenbütteler Straße wird seit 1876 gebraut. Es wäre fatal, wenn auch damit jetzt Schluss sein sollte.











