Oberbürgermeister Kornblum muss beim Klinikum dem neuen kaufmännischen Geschäftsführer Olaf Klok als Aufsichtsratsvorsitzender zur Seite stehen
Das Vertagen der Abstimmung über das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) im Bundestag ist eine Chance für Braunschweig, den offenbar nicht ausreichenden Antrag auf eine Ausnahmeregelung der geplanten Zwei-Kilometer-Regel für das Städtische Klinikum doch noch wasserdicht machen zu können. Nur so könnten der Stadt Braunschweig weitere Ausgaben in sicher dreistelliger Millionenhöhe erspart bleiben. Dafür muss Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) jetzt allerdings endlich selbst die volle Verantwortung übernehmen und den seit längerem umstrittenen Ersten Stadtrat Christian Geiger (CDU) von seinen Aufgaben als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums entbinden.
Zu lange Geiger vertraut
Dass es kurz vor der geplanten Ratifizierung des Gesetzes am 26. Februar überhaupt noch Ungereimtheiten im Antrag für die Ausnahmeregelung im Sinne Braunschweigs gab, ist für sich schon ein Skandal. Das hätte der Oberbürgermeister unbedingt verhindern müssen, indem er engen Kontakt zu den entscheidenden Stellen gehalten hätte. Er hat aber zu lange auf Geiger als Aufsichtsratsvorsitzenden vertraut und sich in trügerischer Sicherheit gewähnt, anstatt sich selbst mit seinen immer wieder herausgestrichenen Kontakten nach Hannover und Berlin intensiv einzuschalten. Warnungen und Ereignisse, die Zweifel an der Eignung Geigers hatten aufkommen lassen, gab es zuhauf.
Die CDU-Ratsfraktion hatte den Vorschlag von Oberbürgermeister Kornblum, Geiger ohne Ausschreibung im Amt zu bestätigen, bereits im Jahr 2021 nicht mitgetragen. Sie hielt den eigentlich auf CDU-Ticket fahrenden Geiger schon damals nach den Erfahrungen und Ergebnissen seiner ersten Amtszeit für ungeeignet, die mit dem Amt verbunden großen Aufgaben und Probleme der Haushaltssanierung sowie der finanziellen Sicherung des Klinikums angemessen bewältigen zu können. Aber Kornblum setzte seinen Vorschlag mit den Stimmen der Grünen durch. Seither haben sich beide Krisen, die des Schuldenmachens und die der Kostenexplosion beim Klinikum, in dramatischer Weise verschärft.
Über dem Städtischen Klinikum schwebt das Damoklesschwert der nicht ausreichenden Begründung für eine „Lex Braunschweig“. Denn, sollte die Ausnahmeregelung für die Zwei-Kilometer-Regel abgelehnt werden, drohen für den dann notwendigen und vorgeschriebenen Aufbau von Parallelstrukturen am Standort Salzdahlumer Straße und Celler Straße exorbitante Mehrbelastungen.
Antrag in die Spur setzen
Jetzt ist durch die Vertagung im Bund ein unverhoffter Zeitpunkt für Kornblum gekommen, wenigstens für das Klinikum doch noch einen Neuanfang unter eigener Führung einzuleiten. Denn am 1. März beginnt mit Olaf Klok der neue kaufmännische Geschäftsführer und Vorsitzende der Geschäftsführung. Klok wechselt von den Mühlenkreiskliniken mit Standorten in Minden, Bad Oeynhausen und Rahden nach Braunschweig.
Seit 2022 war er dort als Geschäftsführender Direktor tätig, verantwortete die medizinische und standortbezogene Strategie und setzte zahlreiche Sanierungsprojekte um. Mit ihm kommt neue Hoffnung. Gemeinsam sollte die Beantragung für die Ausnahmegenehmigung und danach ein vernünftiges Krisenmanagement gelingen. Immer nur zu klagen, dass das Land zu wenig unterstütze, ist viel zu wenig, um diesem Dilemma zu begegnen. Das will niemand mehr hören. Die Patienten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben es verdient, das von höchster Stelle endlich kräftig angepackt wird.
Früher gab das Land mehr
Der 53 Jahre alte Klok folgt auf den ausgeschiedenen und für jahrelange unkontrollierte Kostenexplosion bei der Umsetzung des Zwei-Standorte-Konzepts verantwortlichen Andreas Goepfert. Zuletzt waren unter ihm überraschend noch einmal Mehrkosten in Höhe von 200 Millionen Euro aufgetaucht. In Summe wurde bisher eine Milliarde Euro ausgegeben. Das Ende ist noch nicht in Sicht. Deswegen sind auch die 15 Millionen Euro, die Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi dieser Tage überbrachte nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es sind gerade einmal 1,5 Prozent der bisherigen Gesamtkosten. Das freudige Lächeln von Oberbürgermeister Kornblum und seinem Ersten Stadtrat Geiger in die Kamera kann deswegen nicht aus vollem Herzen gekommen sein, zumal das Land in früheren Jahren auch schon mal 30 Millionen und mehr überwiesen hatte.










