Zwei-Standorte-Konzept des Klinikums sprengt die Milliarden-Schallmauer
• Baustopp kein Tabuthema mehr
• Externe Prüfer sind erforderlich
Braunschweig hat es mit dem Zwei-Standorte Konzept des Städtischen Klinikums Braunschweig in die zweifelhafte Beletage der bundesdeutschen Bauvorhaben mit den größten finanziellen Abweichungen von der Planung geschafft. Ursprünglich war eine Summe von 170 Millionen Euro veranschlagt worden. Bei Baubeginn stieg die Kostenschätzung wegen erweiterter Planungen aber bereits auf 300 bis 400 Millionen Euro. Nachdem nun überraschend ein neuer Fehlbetrag in Höhe von 220 Millionen Euro aufgetaucht ist, übersteigen die Kosten jetzt die Schallmauer von einer Milliarde.
Steuerzahler belastet
Das Städtische Klinikum gesellt sich damit zu anderen dramatischen Fehlkalkulationen: Der Bau des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) sollte ursprünglich zwei Milliarden Euro kosten; es wurden 6,6 Milliarden. Beim Bahnhof Stuttgart 21 gingen erste Prognosen von Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden aus; bis heute stiegen sie auf elf Milliarden Euro. Getoppt wird das alles von der Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie in Hamburg, statt 77 Millionen Euro wurden es 866 Millionen Euro. All diese enormen Kostensteigerungen sind zu großen Teilen vom Steuerzahler zu tragen.
Das gilt auch für das Städtische Klinikum, bei dem die Baukosten seit Jahren offenbar unkontrolliert in die Höhe schnellen. Wie kann es dazu kommen, dass quasi über Nacht ein weiterer Fehlbetrag in einem Umfang von einem Viertel der bisherigen Bausumme auftaucht? Ganz offensichtlich haben Geschäftsführung und Kontrollmechanismen, die für ein derartiges Projekt selbstverständlich sein sollten, versagt.
Land in der Verantwortung
Natürlich ist es richtig, wenn bei der Förderung des Landes auf die Diskrepanz zur Medizinischen Hochschule Hannover und zum Universitätsklinikum Göttingen hingewiesen wird. Das Klinikum ist wie die beiden anderen Häuser auch schließlich ein Maximalversorger und bietet als größtes kommunales Krankenhaus Niedersachsens für 1,2 Millionen Menschen im Braunschweigischen eine herausragende Versorgung auf Universitätsniveau. Rechtlich ist das Land aber nur für die Universitätskliniken als Landeseinrichtungen zuständig. Das Städtische Klinikum muss von der Stadt allein mit Zuschüssen vom Land gestemmt werden. Bisher förderte das Land das Zwei-Standorte-Konzept mit 300 Millionen Euro.
Alles muss auf den Prüfstand
Neben den enormen Kostensteigerungen muss die Stadt auch die teilweise hausgemachten Defizite aus dem laufenden Betrieb begleichen. Für 2025 und 2026 sind das geschätzte 150 Millionen Euro. Angesichts dieser großen finanziellen Belastungen sollte zukünftig jede Ausgabe für den Klinikum-Umbau auf den Prüfstand kommen und von externen Wirtschaftsprüfern gemeinsam mit erfahrenen Bauprojektsteuerern hinterfragt werden. Notfalls darf auch ein Baustopp so lange kein Tabuthema sein, bis Kostenklarheit und Kostensicherheit bestehen.
Angesichts der ohnehin schon prognostizierten Verschuldung der Stadt in Höhe von einer Milliarde Euro sollte verantwortungsvolle Kommunalpolitik darüber hinaus überlegen, ob nicht zwingend erforderliche Vorhaben wie Velorouten, Pocket-Parks oder die Bahnstadt, die auch nur über zusätzliche Schulden finanziert werden können, nicht besser aufgegeben oder zurückgestellt werden sollten.










