Parteien waren beim Tag der Niedersachsen ausgeschlossen, die politisch motivierte Organisation wurde jedoch öffentlich aufgewertet
Der Artikel wurde korrigiert. Den Stand hatte nicht das „Bündnis gegen Rechts“, wie irrtümlich von uns berichtet, sondern das „Forum gegen Rechts“ angemeldet. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) und die rot-grüne Landesregierung feiern den Tag der Niedersachsen überschwänglich. In die Bewertung des dreitägigen Festes mischt sich jedoch auch Kritik. Auslöser ist Kornblums Besuch am Stand des politisch motivierten „Forum gehen Rechts“, während politische Parteien von einer Teilnahme ausgeschlossen waren. Das Verhalten des Oberbürgermeisters zeigt, dass die aus den 1980er-Jahren stammende Konzeption, wonach das Landesfest in einem politisch neutralen Rahmen stattfinden soll und deshalb Parteien keinen Platz finden, kaum noch widerspruchsfrei aufrechterhalten werden kann. Eine sachliche Debatte darüber, ob die bisherige Praxis noch zeitgemäß ist, erscheint daher notwendig.
Was bedeutet „politisch neutral“?
Die Definition, was ein „politisch neutraler Rahmen“ sein soll, ist nicht eindeutig. Das „Forum gegen Rechts“ verfolgt ausdrücklich politische Ziele und positioniert sich zu zahlreichen gesellschaftlichen und politischen Fragen. Kritiker stellen daher die Frage, ob der Oberbürgermeister mit seinem Besuch am Stand der Organisation einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt über die gebotene politische Sensibilität gestellt hat.
Eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Sophie Ramdor, Veronika Bode, Oliver Schatta und Christoph Plett an das Niedersächsische Innenministerium, warum politische Parteien ausgeschlossen würden, beantwortete die Landesregierung im Vorfeld lapidar: „Es soll ein Ort der Begegnung geschaffen werden, in dem sich jeder Gast willkommen fühlt. Die Schaffung eines – insbesondere auch politisch – neutralen Rahmens ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Der Charakter des Landesfestes als ‚Fest der Ehrenamtlichen‘, das in einem politisch neutralen Rahmen gefeiert wird, bietet keinen Raum für eine Präsentation von politischen Parteien.“
Passen die Maßstäbe?
Wenn Parteien als eigenständige Organisationen, die in ihren Ortsverbänden im Übrigen ehrenamtlich getragen werden, ausgeschlossen sind, Organisationen mit Bündnisse mit klaren politischen Zielsetzungen jedoch präsent sein dürfen, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Konsequenz der angewandten Maßstäbe.
Selbstverständlich darf und soll ein Oberbürgermeister demokratisches Engagement gegen Extremismus würdigen. Das gehört zum Selbstverständnis einer freiheitlichen Demokratie. Problematisch wird es jedoch dort, wo der Eindruck entsteht, bestimmte politische Akteure würden öffentlich aufgewertet, während anderen demokratischen Akteuren die Möglichkeit zur Teilnahme an derselben Veranstaltung grundsätzlich verwehrt wird.
Kornblums besondere Verantwortung
Artikel 21 des Grundgesetzes weist politischen Parteien ausdrücklich die Aufgabe zu, an der politischen Willensbildung des Volkes mitzuwirken. Parteien sind keine gewöhnlichen Interessengruppen, sondern tragende Bestandteile der parlamentarischen Demokratie. Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, wenn ein Landesfest, das die Vielfalt Niedersachsens präsentieren soll, demokratischen Parteien keinen Raum zur Selbstdarstellung einräumt.
Ob Thorsten Kornblum persönlich für die Entscheidung über die Zulassung von Ausstellern verantwortlich ist oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Die Landesregierung verweist auf eine langjährige Verwaltungspraxis und die Zuständigkeit des Programmbeirats. Dennoch trägt der Oberbürgermeister als Gesicht der Stadt eine besondere Verantwortung für die politische Wahrnehmung solcher Entscheidungen.











