Noch eine neue Aufgabe: Braunschweigs Oberbürgermeister soll Präsident des Verbands Kommunaler Unternehmen werden.
Wo liegt die Grenze, von der an eine Ämterhäufung jenseits der kommunalen Aufgaben nicht mehr vertretbar ist für einen Oberbürgermeister? Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) sammelt förmlich Ämter, die offensichtlich auf das Ziel einer Karriere auf Landes- und/oder Bundesebene hindeuten. Wie das Politikjournal Rundblick berichtet, soll Kornblum jetzt auch noch Präsident des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) werden. Kornblum will am 13. September erneut zum Oberbürgermeister Braunschweigs gewählt werden. Sein Herausforderer ist der 30 Jahre alte gebürtige Braunschweiger Maximillian Pohler (CDU). Beide sind Juristen.
Vom Vorstand vorgeschlagen
„Der Vorstand des Verbandes, …, entscheidet im März. Das Präsidium hat Kornblum für dieses Amt vorgeschlagen. Der VKU kann als Interessenverband der Stadtwerke Einfluss nehmen auf wichtige Weichenstellungen in der Energiepolitik ‑ und gilt als herausragende Stimme der Kommunalpolitik auf der Bundesebene,“ heißt es in dem Bericht. Darin wird zudem auf Parallelen im Werdegang des früheren Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) hingewiesen, der gleichfalls VKU-Präsident war. Und auch der amtierende Präsident Ulf Kämpfer, bislang Oberbürgermeister von Kiel, nutzte das Amt und wird Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen SPD für die nächste Landtagswahl. Sowohl in Niedersachsen als auch in Schleswig-Holstein stehen die Landtagswahlen im Jahr 2027 an.
In dem Verband sind mehr als 1.600 Mitgliedsunternehmen vor allem in der Energieversorgung, der Wasser- und Abwasserwirtschaft, der Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit sowie im Bereich Telekommunikation tätig. Mit rund 319.000 Beschäftigten haben sie im Jahr 2023 Umsatzerlöse von mehr als 213 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Ausgeprägtes Machtbewusstsein
Kornblum zählt angesichts seines ausgeprägten Machtbewusstseins fraglos zu den einflussreichsten Sozialdemokraten in Niedersachsen mit sehr guten Drähten in die Bundes-SPD. Der gebürtige Lingener kam als Büroleiter des Niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius (SPD) aus Hannover nach Braunschweig. Den Posten als Oberbürgermeister nutzte er als innerparteiliches Sprungbrett. Er wurde so Vorsitzender des SPD-Bezirks Braunschweig, Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) und Mitglied des SPD-Parteivorstands. Unter anderem war er in die Koalitionsverhandlungen der Bundesregierung involviert. Derartig viele Parteiämter hatte noch kein hauptamtlicher Braunschweiger Oberbürgermeister vor ihm inne. Dazu ist er seit kurzem auch Vorstandsmitglied des Deutschen Städtetags. Darüber hinaus gesellen sich 15 weitere Nebentätigkeiten wie Aufsichtsratsmandate oder Vorstandssitze.
Nachteilig für das Hauptamt?
Das alles ist einem 44 Jahre alten Karrierepolitiker, für den das Amt des Oberbürgermeisters in Braunschweig nicht die berufliche Endstation sein wird, natürlich nicht zu verdenken, aber die Frage ist, ob sich das nicht ab einem gewissen Grad negativ auf die Entwicklung Braunschweigs auswirken könnte, weil beispielsweise Führungskompetenz oder Kontrollfunktionen im Rathaus nicht mehr adäquat ausgeübt werden können. Fest steht: Braunschweig kann man nicht nebenher führen. Die Aufgabe erfordert angesichts der immer weiter ausufernden und längst unverantwortlichen Verschuldung der Stadt die volle Konzentration eines Oberbürgermeisters.










