Kornblum häuft weiter Ämter an

Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD). Foto: Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen
Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD). Foto: Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen

Noch eine neue Aufgabe: Braunschweigs Oberbürgermeister soll Präsident des Verbands Kommunaler Unternehmen werden.

Wo liegt die Grenze, von der an eine Ämter­häu­fung jenseits der kommu­nalen Aufgaben nicht mehr vertretbar ist für einen Oberbür­ger­meister? Braun­schweigs Oberbür­ger­meister Thorsten Kornblum (SPD) sammelt förmlich Ämter, die offen­sicht­lich auf das Ziel einer Karriere auf Landes- und/oder Bundes­ebene hindeuten. Wie das Politik­journal Rundblick berichtet, soll Kornblum jetzt auch noch Präsident des Verbands Kommu­naler Unter­nehmen (VKU) werden. Kornblum will am 13. September erneut zum Oberbür­ger­meister Braun­schweigs gewählt werden. Sein Heraus­for­derer ist der 30 Jahre alte gebürtige Braun­schweiger Maximil­lian Pohler (CDU). Beide sind Juristen.

Vom Vorstand vorgeschlagen

„Der Vorstand des Verbandes, …, entscheidet im März. Das Präsidium hat Kornblum für dieses Amt vorge­schlagen. Der VKU kann als Inter­es­sen­ver­band der Stadt­werke Einfluss nehmen auf wichtige Weichen­stel­lungen in der Energie­po­litik ‑ und gilt als heraus­ra­gende Stimme der Kommu­nal­po­litik auf der Bundes­ebene,“ heißt es in dem Bericht. Darin wird zudem auf Paral­lelen im Werdegang des früheren Nieder­säch­si­schen Minis­ter­prä­si­denten Stephan Weil (SPD) hinge­wiesen, der gleich­falls VKU-Präsident war. Und auch der amtie­rende Präsident Ulf Kämpfer, bislang Oberbür­ger­meister von Kiel, nutzte das Amt und wird Spitzen­kan­didat der schleswig-holstei­ni­schen SPD für die nächste Landtags­wahl. Sowohl in Nieder­sachsen als auch in Schleswig-Holstein stehen die Landtags­wahlen im Jahr 2027 an.

In dem Verband sind mehr als 1.600 Mitglieds­un­ter­nehmen vor allem in der Energie­ver­sor­gung, der Wasser- und Abwas­ser­wirt­schaft, der Abfall­wirt­schaft und Stadt­s­au­ber­keit sowie im Bereich Telekom­mu­ni­ka­tion tätig. Mit rund 319.000 Beschäf­tigten haben sie im Jahr 2023 Umsatz­er­löse von mehr als 213 Milli­arden Euro erwirt­schaftet.

Ausgeprägtes Machtbewusstsein

Kornblum zählt angesichts seines ausge­prägten Macht­be­wusst­seins fraglos zu den einfluss­reichsten Sozial­de­mo­kraten in Nieder­sachsen mit sehr guten Drähten in die Bundes-SPD. Der gebürtige Lingener kam als Büroleiter des Nieder­säch­si­schen Innen­mi­nis­ters Boris Pistorius (SPD) aus Hannover nach Braun­schweig. Den Posten als Oberbür­ger­meister nutzte er als inner­par­tei­li­ches Sprung­brett. Er wurde so Vorsit­zender des SPD-Bezirks Braun­schweig, Bundes­vor­sit­zender der Sozial­de­mo­kra­ti­schen Gemein­schaft für Kommu­nal­po­litik (SGK) und Mitglied des SPD-Partei­vor­stands. Unter anderem war er in die Koali­ti­ons­ver­hand­lungen der Bundes­re­gie­rung invol­viert. Derartig viele Partei­ämter hatte noch kein haupt­amt­li­cher Braun­schweiger Oberbür­ger­meister vor ihm inne. Dazu ist er seit kurzem auch Vorstands­mit­glied des Deutschen Städte­tags. Darüber hinaus gesellen sich 15 weitere Neben­tä­tig­keiten wie Aufsichts­rats­man­date oder Vorstands­sitze.

Nachteilig für das Hauptamt?

Das alles ist einem 44 Jahre alten Karrie­re­po­li­tiker, für den das Amt des Oberbür­ger­meis­ters in Braun­schweig nicht die beruf­liche Endsta­tion sein wird, natürlich nicht zu verdenken, aber die Frage ist, ob sich das nicht ab einem gewissen Grad negativ auf die Entwick­lung Braun­schweigs auswirken könnte, weil beispiels­weise Führungs­kom­pe­tenz oder Kontroll­funk­tionen im Rathaus nicht mehr adäquat ausgeübt werden können. Fest steht: Braun­schweig kann man nicht nebenher führen. Die Aufgabe erfordert angesichts der immer weiter ausufernden und längst unver­ant­wort­li­chen Verschul­dung der Stadt die volle Konzen­tra­tion eines Oberbür­ger­meis­ters.

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