Der Schoduvel setzt am 15. Februar erneut ein Zeichen für Toleranz, Freiheit und Fröhlichkeit
Das Wort „Karneval“ entstand wohl aus dem lateinischen „carne levare“ („Fleisch wegnehmen“). Seit vielen Jahrhunderten feiern Menschen ausgelassen bis Aschermittwoch, weil dann die traditionelle, bis Ostern dauernde Fastenzeit beginnt. Aus dem einst „christlichen“ Brauchtum, bei dem schon immer gerne die Herrschenden auf die Schippe genommen wurden, ist längst ein fröhliches Fest für jedermann geworden, ohne dass Bildung, sozialer Status oder Herkunft bedeutend wären. Karneval hat sich, dort, wo er ausgiebig gefeiert wird, zum Kitt für die Gesellschaft entwickelt. So ist das auch in Braunschweig mit dem bedeutendsten Karnevalsumzug Norddeutschlands und der deutschen Nummer vier hinter Köln, Düsseldorf und Mainz.
NDR überträgt live
Traditionell findet der seit 2005 „Schoduvel“ genannte Umzug am Sonntag vor dem Rosenmontag statt. In diesem Jahr ist es der 15. Februar. Der Norddeutsche Rundfunk überträgt von 13 bis 16 Uhr direkt. Erwartet werden zum 48. Braunschweiger Karnevalszug erneut rund 250.000 Besucher. Mehr als 5.000 aktive Teilnehmer in Musik- und Spielmannszügen sowie rund 130 Motivwagen werden für Unterhaltung und ausgelassene Stimmung sorgen. Von 12.40 Uhr an zieht der Tross vom Europaplatz aus durch die Innenstadt. Der Schoduvel, eine Teufelsgestalt mit furchterregender Holzmaske, wird dabei von Hexen symbolisch für die bösen Geister der Kälte vertrieben und der Weg für den Frühling freigeräumt. Angesichts der aktuellen Wetterlage wird das auch besonders nötig sein.
Die Menschen im Braunschweiger Land identifizieren sich mit ihrem Karneval, stellt Braunschweigs Ehrenbürger und früherer Oberbürgermeister in seinem Vorwort des Buches „Von der Fastnacht zum Karneval im Braunschweiger Land“ (2016) fest. Er hebt darin die Linie vom Karneval zur Figur Till Eulenspiegel, die ein Kind dieser Region ist, hervor. Deswegen ist Till traditionsgemäß Teil des Braunschweiger Dreigestirns, das in diesem Jahr von Prinz Andreas II., dem Bruder des früheren Braunschweiger Oberbürgermeisters Ulrich Markurth, angeführt wird. Komplettiert wird das Dreigestirn durch den Bauern, einer weiteren Traditionsfigur.

Identitätsstiftender Schoduvel
Mit Till, so Gerhard Glogowski, wird die kulturgeschichtliche und sozialgesellschaftliche Entwicklung in einem regionalen Kontext beschrieben. „In diesem Rahmen hat sich Karneval auch als identitätsstiftender Aspekt im Braunschweigischen Land herauskristallisiert. Der Karnevalszug ‚Schoduvel‘ ist Ausdruck tiefer Verbundenheit“, meint Gerhard Glogowski, auf dessen Initiative hin 1979 das närrische Karnevalstreiben mit dem ersten Umzug für Kinder in Braunschweig neu belebt wurde.
In Braunschweig hat Karneval (Fastnacht) eine 733 Jahre alte Tradition und gilt damit als älter als die Narretei in Köln. Bereits im Jahre 1293 ist der Schoduvel nachweisbar. Dass Karneval Kultur ist, sieht auch die Deutsche UNESCO-Kommission so. 2014 wurden der „Rheinische Karneval mit all seinen lokalen Varianten“ und die „Schwäbisch-alemannische Fastnacht“ in das bundesweite Verzeichnis immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Karneval schaffe eine Plattform, die Menschen unterschiedlicher Hintergründe, Altersgruppen und sozialer Schichten zusammenbringe. Durch gemeinsame Feiern und Aktivitäten entstehe ein starkes Gemeinschaftsgefühl, das zur sozialen Integration und zum Zusammenhalt beiträgt.
Soziale Schichten überbrückt
Die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Karnevals, das soziale Schichten überbrückt und Identität stiftet, unterstreicht das diesjährige Motto des Schoduvels. Das Komitee Braunschweiger Karneval, der Zusammenschluss der drei Braunschweiger Karnevalsvereine, entschied sich für „Der Schoduvel kommt mit voller Macht, die Sicherheit hält alles sacht“. Eingegangen waren insgesamt 116 Vorschläge aus der Bevölkerung, der von Andrea Pech gewann. Der Braunschweiger Karnevalszug sei ein Fest der Freude und des Miteinanders. Wer respektvoll mit anderen umgehe, auf sich und seine Umgebung achte und maßvoll genieße, sorge dafür, dass die ‚fünfte Jahreszeit‘ unvergesslich bleibt – im besten Sinne. Denn unvergessen sind auch die beiden Absagen 2015 wegen einer akuten Terrorwarnung und 2022 aufgrund eines gefälschten Absagebriefs.

Wörtlich heißt es auf der Seite der Deutschen UNESCO-Kommission: „Nach Notzeiten setzte das Fest Impulse zum Wiederaufbau und Flüchtlinge vermochten durch aktive Mitgestaltung Wurzeln in der neuen Heimat zu schlagen. Die Willkommenskultur des Karnevals wirkt sehr einladend. Migranten finden in ihm einen einfachen Zugang zur regionalen Gemeinschaft. Gemeinsam ‚jeck‘ zu sein, sich verkleiden, in andere Rollen zu schlüpfen und ausgelassen zu feiern, gehört ebenso zum Karnevalsfest wie das ehrenamtliche und soziale Engagement.“
Bürgerschaftliches Engagement
Karneval funktioniert im Wesentlichen dank bürgerschaftlichen Engagements. In Braunschweig stehen dafür zuallererst die drei Karnevalsvereine Braunschweiger Karneval-Gesellschaft von 1872, Karneval-Vereinigung der Rheinländer Braunschweig von 1922 und Mascheroder Karnevalgesellschaft Rot-Weiß von 1965. Der Einsatz ihrer Mitglieder ermöglicht den Umzug, die Prunksitzungen und nicht zuletzt die Jugendarbeit. Das Komitee Braunschweiger Karneval hat dafür die Karnevalistische Tanzsportgemeinschaft (KTG) als Abteilung für gemeinsame Trainings- und Ausbildungsarbeit, Auftritte und Turniere gegründet. Unterteilt wird in Welfen-Garde (Jugend, 6 bis 10 Jahre), Löwen-Garde (Junioren, 11 bis 14 Jahre) und Brunonia-Garde (U15). Ihre Auftritte werden beim Schoduvel, so wie jedes Jahr, auch diesmal sicher wieder mit großem Beifall bedacht.
Hinweis
Der Schoduvel genießt weit über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft und Relevanz. So bietet der Verkehrsverbund Region Braunschweig (VRB) erneut ein Armbändchen als Fahrschein für Bus und Bahn an. Statt mit dem Auto anzureisen, können alle Narren für acht Euro alle Busse und Regionalbahnen für die An- und Abfahrt nutzen. Das Armbändchen kann bei den Verkaufsstellen der Verkehrsbetriebe im Bereich Braunschweig erworben werden. Das Angebot gilt im gesamten Verbundgebiet für die Städte Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg sowie für die Landkreise Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel.










