Für Deutschland steht viel auf dem Spiel 

Letzte Chance

Robin Alexander analysiert in seinem Buch „Letzte Chance“ die Probleme

● Kanzler Friedrich Merz unter Druck
● Heraus­forderungen auf vielen Feldern

Die Schil­de­rung des aktuell angespannten Zustands der Demokratie in der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land liest sich von der ersten bis zur letzten Seite spannend wie ein Roman, aber ein Happy End fehlt. „Letzte Chance – Der neue Kanzler und der Kampf um die Demokratie“ hat Robin Alexander, stell­ver­tre­tender Chefre­dak­teur Politik der Welt, seine Analyse der Zeit vom Scheitern der Ampel­ko­ali­tion bis zum Regie­rungs­wechsel im vergan­genen Jahr betitelt. „Ohne Lehren aus ihrem Scheitern zu ziehen, wird die neue Regierung unter Bundes­kanzler Friedrich Merz es nicht besser machen können“, schreibt Robin Alexander. Und er warnt in diesem Fall vor einer drohenden Macht­über­nahme der AfD.

Schwierige Umbruchzeiten

„Friedrich Merz mag ganz anders regieren wollen als Olaf Scholz. Aber die Zeiten sind immer noch die gleichen: Umbruch­zeiten. Die kommenden Jahre werden radikal andere sein als die vergan­genen Jahrzehnte. ‚Wieder nach vorn‘ zu wollen, wird da nicht reichen.

Die alte bundes­re­pu­bli­ka­ni­sche Nor­malität, nach der sich eine Mehrheit der Bevöl­ke­rung zurück­sehnt, kann Friedrich Merz vielleicht verkör­pern. Wieder­her­stellen jedoch kann er sie nicht“, meint der Bestsel­ler­autor. Die Probleme, an denen die Ampel schei­terte, sind dieselben geblieben: Wirtschafts­krise, Klima­wandel, Migration und Aufrüs­tung der Bundes­wehr.

Kein ideologischer Bruch

Das Abrücken von der Schul­den­bremse, die Friedrich Merz im Wahlkampf noch vehement vertei­digt hatte, wertet Alexander deswegen auch nicht als ideolo­gi­schen Bruch, sondern als „politisch erzwun­gene Notwen­dig­keit“. Sie sei das Ergebnis einer Kombi­na­tion aus wirtschaft­li­cher Krise, geopo­li­ti­schem Druck und dem Versuch ‚Handlungs­fä­hig­keit zu beweisen.

Robin Alexander verweist auf die gewal­tigen Spannungs­felder, in denen sich Politiker heutzu­tage bewähren müssen. Den unbere­chen­baren US-Präsi­denten Donald Trump, den aggres­siven russi­schen Krieger Wladimir Putin und den Aufstieg der natio­na­lis­ti­schen sogenannten „Alter­na­tive für Deutsch­land“ nennt er als größte Heraus­for­de­rungen.

Der Aufstieg der Rechts­po­pu­listen bedrohe die innere und äußere Archi­tektur aller westli­chen Gesell­schaften. Donald Trump stelle die NATO und den freien Welthandel infrage, der Brexit habe Großbri­tan­nien aus der EU getrieben, eine Präsi­dent­schaft Marine Le Pens in Frank­reich könne das Ende der Europäi­schen Union bedeuten. Kein anderes Land drohe aber beim Zerfall der westli­chen Werte­ge­mein­schaft so viel zu verlieren wie die Bundes­re­pu­blik. Denn keine Nation habe so sehr von NATO, EU und freiem Welthandel profi­tiert wie Deutsch­land.

Keine Mäßigung bei der AfD

Darüber hinaus werde die Bundes­re­pu­blik vom Aufschwung der Rechts­po­pu­listen stärker erschüt­tert als andere Demokra­tien. „Unsere Identität gründet auf der Bewäl­ti­gung des Mensch­heits­ver­bre­chens der Shoa.
Die AfD stellt nicht nur die Erinne­rungs­kultur an die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Verbre­chen infrage, sondern relati­viert immer wieder auch die zweite deutsche Diktatur, die DDR. Anders als rechts­po­pu­lis­ti­sche und sogar postfa­schis­ti­sche Parteien in anderen europäi­schen Ländern geht der Aufschwung der AfD nicht mit einer Mäßigung oder Selbst­auf­klä­rung einher.

Es ist, im Gegenteil, bisher ein stabiler Trend zur Radika­li­sie­rung zu beobachten. Ein Deutsch­land, in dem die AfD politi­sche Macht bekäme, wäre nicht wieder­zu­er­kennen. Nicht nur für Friedrich Merz und seine neue Regierung steht viel auf dem Spiel“, schließt Robin Alexander sein Buch.

Buch Letzte Chance | Robin Alexander

„Letzte Chance – Der neue Kanzler
und der Kampf um die Demokratie“
Robin Alexander
Erschienen im Siedler Verlag
384 Seiten, gebunden
ISBN 9783827502001
25 Euro

Total
0
Shares
Prev
Parteiräson statt Kompetenz
Die von Schneeverwehungen gezeichnete Schapenstraße Richtung Volkmarode am 9. Januar. Foto: privat

Parteiräson statt Kompetenz

Die Unzufriedenheit mit SPD-Bezirksbürgermeister Ulrich Volkmann im Bezirksrat

Nächste
Flüssiger Nord-Süd-Verkehr in Gefahr
Der autofreie Bohlweg mit Schlossplatz nach einer Planung des Büros Albret Speert (Frankfurt). Foto: Albert Speer + Partner, Frankfurt mit eigener Abteilung Landschaftsarchitektur

Flüssiger Nord-Süd-Verkehr in Gefahr

Korrespondierende Bauprojekte Bohlweg und Kurt-Schumacher-Straße könnten zum

Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Total
0
Share