Ein „Paradies“ auf dem Johannes-Selenka-Platz?

Geplanter Pocket-Park auf dem Johannes-Selenka-Platz. Foto: stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock
Geplanter Pocket-Park auf dem Johannes-Selenka-Platz. Foto: stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock

Nach dem umstrittenen Pocket-Park Kannengießerstraße soll jetzt das nächste grüne Millionen-Projekt folgen

Böse Zungen könnten meinen, dass die Formu­lie­rung „Paradies“ für den geplanten Pocket-Park auf dem Johannes-Selenka-Platz dem beißenden Sarkasmus eines Kritikers geschuldet ist, aber das ist weitge­fehlt. Denn die Formu­lie­rung stammt aus der städti­schen Presse­mit­tei­lung, die das nächste grüne Millionen-Projekt der hochver­schul­deten Stadt anpreist. Die beigefügte Visua­li­sie­rung der Landschafts­planer, die einem Urwald mitten in der Stadt nahekommt, dürfte da den Blick für die Realität etwas verklärt haben. Der niedliche kleine Igel links auf dem Baumstamm hat das Träumen vom „Paradies“ sicher verstärkt.

Start im Frühjahr

Rund 1,4 Millionen Euro soll die Umgestal­tung kosten. 690.000 Euro würden, so heißt es in der Presse­mit­tei­lung, aus Städte­bau­för­der­mit­teln finan­ziert. Außerdem beteilige sich die Hochschule für Bildende Künste (HBK) mit einem Beitrag in Höhe von 175.000 Euro, da sich ein kleinerer Bereich des Platzes in ihrem Eigentum befindet. Den Reali­sie­rungs­wett­be­werb gewann das Landschafts­ar­chi­tek­tur­büro nsp landschafts­ar­chi­tekten stadt­planer PartGmbB schonhoff schadzek depen­b­rock aus Hannover. Die Arbeiten sollen im Frühjahr beginnen.

Realitätssinn erforderlich

Angesichts der immensen Verschul­dung der Stadt in Milli­ar­den­höhe stellt sich die Frage, wann sich in der Stadt­ver­wal­tung endlich Reali­täts­sinn durch­setzt, und nicht immer mehr Geld für „Wünsch-dir-was“-Projekte ausge­geben wird. Das Notwen­dige gilt es zu tun und die Schul­den­spi­rale zu stoppen. Es ist zu hoffen, dass die Politik in der Lage ist, dem bunten Treiben im Rathaus Einhalt zu gebieten.

Geplanter Zugang zur HBK. Foto: stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock
Geplanter Zugang zur HBK. Foto: stadt­planer PartGmbB schonhoff schadzek depen­b­rock

„Ausdrucksstarkes Zentrum“

Der neue Johannes-Selenka-Platz soll aus zwei Haupt­ele­menten bestehen: einer offenen Platz­fläche zum Haupt­ein­gang der HBK und einem kreis­för­migen, grünen „Paradies“, heißt es in der Presse­mit­tei­lung der Stadt. Und weiter: „Das „Paradies“, mit einer Grünfläche von ca. 380 Quadrat­me­tern wird ausdrucks­starkes Zentrum und bietet Raum zum Sitzen, Liegen und Spielen“. Und natürlich wird, wie immer bei derar­tigen Projekten, mit dem Klima argumen­tiert: „Offene Grünflä­chen tragen zur Kühlung im Sommer bei und fördern die Stadt­öko­logie.“ Und nicht zu vergessen: Ein neuer Trink­brunnen am Radweg zum Ringgleis ist selbst­ver­ständ­lich auch geplant.

17 Bäume werden gefällt

Das war auch beim kritik­wür­digen Pocket-Park an der Kannen­gie­ßer­straße das Kernar­gu­ment. Dort erfüllen die alten großen Platanen wie schon seit vielen Jahrzehnten ihren den Zweck, binden CO₂ und bieten Schatten zur Abkühlung. Beim Pocket-Park Johannes-Selenka-Platz wird das anders sein. Dort werden zunächst 17 bestehende Bäume gefällt, bevor es ans Umgestalten geht.

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