Ein Kommentar von Ralph-Herbert Meyer
Schuldenmacherei, Luxusprojekte, Unsicherheit beim Klinikum und Einbruch bei der Gewerbesteuer
Mit der Überschrift „Braunschweig spart 83 Millionen Euro“ kam beim Bürger die verwegene Botschaft an, dass im Rathaus endlich etwas getan werde, um die Mega-Verschuldung der Stadt zu stoppen. Aber dem ist nicht so. Wer die öffentliche Mitteilung der Stadt außerhalb von Sitzungen liest, kommt zu einer anderen Deutung. Denn tatsächlich war es im Wesentlichen kein Sparen, das zu Minderausgaben führte, sondern lediglich die Folge der späteren Freigabe des Haushalts. Am Ende muss konstatiert werden, dass der ohnehin schon miserable Haushaltsplan für das Jahr 2025 erneut nicht aufgegangen ist und die Stadt am Ende faktisch noch einmal um rund 13 Millionen Euro schlechter gewirtschaftet hat als erwartet.
Vernichtender Fehlbetrag
Die Minderaufwände bei Personal und Bauprojekten sowie bei sonstigen ordentlichen und außerordentlichen Aufwendungen belaufen sich tatsächlich auf rund 96 Millionen Euro. Durch Veröffentlichungen wird aber so getan, als ob Braunschweig 83 Millionen Euro mehr auf dem Konto hätte. Das ist definitiv nicht der Fall. Im vorläufigen Jahresabschluss für das vergangene Jahr steht zwar ein geringerer, aber immer noch vernichtender Fehlbetrag von satten 216 Millionen Euro. Die Gesamtschulden nähern sich unverändert der Milliardengrenze. Und ein Ende der Schuldenmacherei ist nicht in Sicht.
Dramatische Schuldenkrise
Nichts deutet auf eine Entspannung in der größten Schuldenkrise der Stadt hin. Im Gegenteil, denn durch die sehr angespannte Lage bei Volkswagen mit dem aktuellen Gewinneinbruch werden die Gewerbesteuereinnahmen weiter sinken. Im vergangenen Jahr brachen die Einnahmen der Stadt bei der Gewerbesteuer bereits um 29 Millionen Euro ein. Wenn die überflüssigen Luxusprojekte wie Stiftshöfe, Haus der Musik, Umgestaltung Bahnhofsumfeld und Bohlweg sowie Velorouten und Pocketparks nicht gestoppt werden, dann wird sich die Schuldenspirale Ende 2029 auf unglaubliche zwei Milliarden Euro hochgeschraubt haben. Und über allem schwebt noch das Damoklesschwert des Zwei-Standorte-Konzepts des Städtischen Klinikums. Nach dem mangelhaften Antrag für eine Ausnahmeregelung im Rahmen des Krankenhausreformanpassungsgesetzes drohen weitere außerplanmäßige Belastungen in wohl dreistelliger Millionenhöhe, wenn nicht noch in letzter Sekunde die entscheidenden Nachbesserungen gelingen.
Jetzt muss schon der Dispo her
Niederschmetternder als in der städtischen Mitteilung vom 23. Februar lässt sich die Finanzsituation der Stadt kaum noch formulieren: Der Bestand an Zahlungsmitteln … beträgt zum 31. Dezember 2025 rund 4,9 Millionen Euro unter Berücksichtigung der Inanspruchnahme von Liquiditätskrediten in Höhe von rund 66,6 Millionen Euro. Das heißt nichts anderes, als dass die regulär aufgenommenen Schulden schon nicht mehr reichen und quasi der Dispo ausgereizt werden muss, um das laufende Geschäft überhaupt noch abwickeln zu können. Was bleibt also unter dem Strich? Eine desolate Haushaltspolitik von Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) und seiner rot-grünen Gefolgschaft, die dringend am 13. September bei der Kommunalwahl beendet werden muss. Nur zur Erinnerung: Bei der Übergabe von Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) im Jahr 2014 an seine sozialdemokratischen Nachfolger war die Stadt faktisch schuldenfrei.









