Die dramatische Kurve des Versagens

Braunschweig kämpft mit hoher Verschuldung ©BiF
Braunschweig kämpft mit hoher Verschuldung ©BiF

Historischer Tiefpunkt: Wann kommt Braunschweig wegen ungebremster Schuldenmacherei unter die Kommunalaufsicht des Landes?

Die Stadt Braun­schweig befindet sich in einer hochdra­ma­ti­schen Haushalts­lage. Die Zukunfts­fä­hig­keit der Stadt steht mehr als in Frage, wenn nicht endlich resolut das Steuer herum­ge­rissen und die spätes­tens seit 2021 vollkommen verkorkste Haushalts­po­litik beendet wird. Die fraglos für Kommunen nicht ausrei­chende Unter­stüt­zung durch Land und Bund ist nicht der Haupt­grund für das immer tiefer in der Schul­den­spi­rale versin­kende Braun­schweig. Andere Städte und Kommunen machen vor, wie der Krise besser begegnet werden kann.

Luxusprojekte stoppen

Erfor­der­lich ist in Braun­schweig, wie andern­orts längst geschehen, eine radikale Neuaus­rich­tung mit dem Fokus auf das Notwen­dige und dem Aus für Unnötiges. Luxus­pro­jekte wie das Haus der Musik, die Stifts­höfe, die Umgestal­tung von Bohlweg und Bahnhofs­um­feld, Velorouten und Pocket-Parks passen nicht mehr in die Zeit und müssen gestoppt werden. Andern­falls wird die Schul­den­last Braun­schweigs bis zum Jahr 2029 auf prognos­ti­zierte zwei Milli­arden Euro ansteigen. Denn auch wenn Förder­summen für das ein oder andere Projekt in Aussicht stehen, bleibt ein erheb­li­cher Teil an Eigen­fi­nan­zie­rung übrig. Den kann sich die Stadt aber schon lange nicht mehr leisten.

Es ist also blanke Augen­wi­scherei, wenn jetzt von gewissen Einspa­rungen hier und da die Rede ist, aber weiter an den unnötigen Luxus­pro­jekten festge­halten wird. Die aktuellen Sparvor­schläge kommen nicht über den Status einfalls­loser Symbol­po­litik hinaus. Es bedürfte schon mehr Kompetenz, Esprit und Energie, um wirklich etwas bewirken zu können. Denn Braun­schweig steht das Wasser tatsäch­lich bis zum Hals, und die Stadt droht unter die Kommu­nal­auf­sicht des Landes Nieder­sachsen zu fallen. Das wäre ein histo­ri­scher Tiefpunkt. Jedes Privat­un­ter­nehmen hätte längst Insolvenz anmelden müssen. Über allem schwebt noch dazu das Zwei-Standorte-Konzept des Städti­schen Klinikums, bei dem nicht abzusehen ist, wie hoch am Ende die tatsäch­liche Belastung sein wird.

Versagen seit 2021

In einer aktuellen Grafik der Stadt wird das ganze Drama der städti­schen Finanzen deutlich. In der Zeit von 2021 bis 2024 stiegen die Schulden exorbi­tant von 219 Millionen auf 877 Millionen Euro. Diese Kurve zu sehen, ist mehr als erschre­ckend und lässt den Betrachter ratlos zurück, wie so eine Steige­rung nur möglich war. Der betref­fende Zeitraum entspricht der Amtszeit von Oberbür­ger­meister Thorsten Kornblum (SPD). Seine Einlas­sungen in Inter­views offen­baren, dass er entweder die Lage noch immer nicht realis­tisch einschätzt oder aber die Bürge­rinnen und Bürger im Unklaren lassen und in trüge­ri­scher Sicher­heit wiegen will. Liqui­di­täts- und Inves­ti­ti­ons­kre­dite machen in der Addition bereits Ende dieses Jahres eine Schul­den­last von 1.000.000.000 Euro aus. Die Zinslast ist erdrü­ckend.

Junge Generationen zahlen

Die Haushalts­po­litik der vergan­genen Jahre unter SPD-Führung offenbart, dass Rot-Grün der politi­sche Wille fehlt, gegen die fatale Verschul­dung anzugehen. Die laufenden Verwal­tungs­aus­gaben übersteigen deutlich die Einnahmen. Das Land hat längst die dauer­hafte Leistungs­fä­hig­keit der Stadt infrage gestellt. Das aktuelle Finanz­ge­baren ist vor allem für die nachfol­genden Genera­tionen inakzep­tabel. Denn die Jungen werden für die aktuelle Verfeh­lungen büßen müssen. Die Chance, daran etwas zu ändern, erhalten Braun­schwei­ge­rinnen und Braun­schweiger am 13. September bei der anste­henden Kommu­nal­wahl.

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