„Der Standort ist absolut unpassend“

Der Architekturpavillon verdeckt die Sicht auf die Burg. Foto: BiF
Der Architekturpavillon verdeckt die Sicht auf die Burg. Foto: BiF

Schon vor der Eröffnung des Architekturpavillons zwischen Burg und Dom hagelt es Kritik

Zwischen Burg und Dom wird seit einiger Zeit an einem sogenannten Archi­tek­tur­pa­villon gearbeitet, der vom 20. Mai bis 22. Juli kulturell bespielt werden soll. Geplant sind Konzerte, Auffüh­rungen und Diskus­sionen. Bereits vor der Eröffnung erhitzen sich aller­dings die Gemüter an der Gestal­tung und am Standort. Es geht bei der vielfach geäußerten Kritik weniger um das Projekt als solches. Unter einer Ankün­di­gung der Stadt Braun­schweig auf Facebook wird die angeprie­sene „ideale Lage mitten in der Innen­stadt – direkt am Braun­schweiger Dom“ sehr kritisch bewertet. Im nächsten Jahr soll eine Wieder­ho­lung, ebenfalls von Mai bis Juli, folgen.

Aufbau kostet 550.000 Euro

Der zweima­lige Aufbau kostet 550.000 Euro, wobei rund 40 Prozent davon aus dem Europäi­schen Fonds für regionale Entwick­lung (EFRE) kommen. Im Rahmen des Sofort­pro­gramms „Perspek­tive Innen­stadt!“ floss bereits eine Förderung in Höhe von 41.000 Euro für unter anderem eine Machbar­keits­studie und einen parti­zi­pa­tiven Workshop.

Hier einige Meinungen zu dem Baukon­strukt: „Die Grundidee ist nicht schlecht, der Style ist Geschmacks­sache, aber der Standort ist absolut unpassend.“ „Völlig deplat­ziert auf einem histo­ri­schen Platz wie diesem!“ „Tradi­ti­ons­in­seln haben nicht umsonst ihren Namen…“ „Wer um Gottes Willen ist denn für dieses Monstrum verant­wort­lich? Scheuß­li­cher ging‘s wohl nicht.“ „Falscher Ort für diese überteu­erte ‚Kunst‘, die sich die Stadt eigent­lich nicht leisten kann.“ „Der Ort ist katastro­phal. Die Sache an sich ist sicher streitbar.“ „Eine Schande für den altehr­wür­digen Dom. Wie kann man so etwas zulassen?“ „Schade, dass eines der schönsten Fotomo­tive Braun­schweigs nun verbaut ist.“

Der Architekturpavillon verdeckt den Blick auf den Dom. Foto BiF
Der Archi­tek­tur­pa­villon verdeckt den Blick auf den Dom. Foto BiF
Der Architekturpavillon verdeckt den Blick auf das historische Rathaus. Foto BiF
Der Archi­tek­tur­pa­villon verdeckt den Blick auf das histo­ri­sche Rathaus. Foto BiF

Standort unsensibel gewählt

Der Standort am Burgplatz ist wegen dessen kultur­his­to­ri­scher Bedeutung und aus Gründen des Denkmal­schutzes mindes­tens unsen­sibel gewählt worden. Das muss der Stadt­ver­wal­tung zum Vorwurf gemacht werden. Natürlich wären der Platz an der Marti­ni­kirche, Schau­platz des „Winter­thea­ters“, der Kohlmarkt, genutzt zum Beispiel für Weinfeste, oder der Platz der Deutschen Einheit, auf dem am vergan­genen Wochen­ende ein Bierfest stattfand, unkri­ti­scher und geeig­neter gewesen. Ursprüng­lich war der Aufbau des sogenannten Archi­tek­tur­pa­vil­lons bereits für 2025 auf dem Domplatz geplant worden. Der musste jedoch wegen des umstrit­tenen Abrisses der Burgpas­sage noch abgesagt werden.

„Teilhabe und Entfal­tungs­mög­lich­keiten für alle Menschen sollen bei der strate­gi­schen Weiter­ent­wick­lung der Innen­stadt im Fokus stehen. … Der temporäre Archi­tek­tur­pa­villon fungiert mit seiner Tribü­nen­ar­chi­tektur als konkreter Ort für Begeg­nungen, schafft neue Blick­be­zie­hungen und verändert einen Transitort zu einer Freilicht­bühne für alle”, heißt es auf der entspre­chenden Inter­net­seite der Stadt vollmundig. Dazu hätte es des Standorts am Burgplatz nicht bedurft.

Gemeinsames Kochen und Essen

Am Mittwoch wird der Pavillon offiziell eröffnet. Es findet ein DJ-Workshop für Einsteiger statt. Am Donnerstag und Freitag folgt „Tell me about your desires“. Beim gemein­samen Kochen und Essen sollen Fragen rund um die Themen Gemein­schaft und Gemein­schaffen verhan­delt. Die deutsche Formu­lie­rung „Erzähle mir von deinen Wünschen“ fehlt, passend zum unsäg­li­chen Marketing-Sprech „City of Lions“, aus unerfind­li­chen Gründen im Programm, obwohl unmit­telbar unter der deutschen Ankün­di­gung die englische Überset­zung steht. An den drei darauf­fol­genden Tagen tritt ein Flamenco-Tanzpaar auf.

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