Die Schließung des traditionsreichen Bankenstandorts in der Dankwardstraße wird klaglos hingenommen
Der jetzige Braunschweiger Oberbürgermeister Thorsten Kornblum nahm es kampflos hin, dass der Vorstandsvorsitzende der Braunschweigischen Landessparkasse mit dem Wechsel von Christoph Schulz zu Ingo Lippmann am 1. Januar 2024 erstmalig seit der Fusion von 1970 nicht mehr im Vorstand der Nord/LB vertreten ist – und damit auch das Braunschweiger Land faktisch nicht mehr. Die Konsequenz von Kornblums bloßem Abnicken als Verwaltungsratsvorsitzender der Braunschweigischen Landessparkasse ist weiterer Bedeutungsverlust Braunschweigs. Wenn es eines symbolhaften Ereignisses als untrüglichem Beleg dafür bedurft hätte, dann wäre es die jetzt unmittelbar bevorstehende Aufgabe des traditionsreichen Standorts an der Dankwardstraße. Der alte Kampfgeist der Braunschweiger, wenn es darum ging, die eigenen Interessen gegenüber Hannover kraftvoll zu vertreten, ist ganz offensichtlich dahin.
Kein Ansatz von Kritik
Angesichts kleinerer Zugeständnisse in Bezug auf die Landessparkasse feierte Kornblum seinerzeit den historischen Rückschlag sogar noch als persönlichen Erfolg, anstatt den Verlust des Vorstandssitzes zu kritisieren und Braunschweiger Ansprüche zu untermauern. „Für die Kommunen auf dem Gebiet der Braunschweigischen Landessparkasse begrüße ich die Änderungen des Statuts sehr. Die BLSK erhält damit mehr unternehmerische Freiheit und Eigenständigkeit als je zuvor. Wir wünschen uns hier vor Ort schon lange mehr Gestaltungsspielraum, der nun mit Beginn des nächsten Jahres genutzt werden kann und wird. Das ist eine gute Nachricht für die vielen Kundinnen und Kunden der Sparkasse im Braunschweiger Land und für die örtliche Wirtschaft“, wurde Braunschweigs Oberbürgermeister seinerzeit zitiert.
Seither hat er mehrfach angekündigt, er werde eine Einigung mit der rot-grünen Landesregierung, der Norddeutschen Landesbank und dem Sparkassenverband erzielen, um eine eigenständige Braunschweigische Sparkasse zu errichten. Danach sieht es bisher nun wahrlich nicht aus. Eine Übernahme der Braunschweigischen Landessparkasse durch die Kommunen scheitert realistischerweise bereits an der desolaten Haushaltslage, vor allem der der Stadt Braunschweig mit bald einer Milliarde Euro und mehr.
Wo bleibt der Protest?
Nur ein Nicht-Braunschweiger kann das Aus des einstigen Sitzes der Braunschweigischen Staatsbank nur mit einem müden Achselzucken zur Kenntnis nehmen, anstatt vehement und medienwirksam zu protestieren. Es hätte aus Braunschweig eines kräftigen Widerstands gegen die Schließung bedurft, wie ihn erfolgreiche frühere Oberbürgermeister wie Gerhard Glogowski oder Dr. Gert Hoffmann mit Sicherheit angezettelt hätten. Seit 1894 war der Standort Inbegriff des Bankenwesens in Braunschweig. Die Braunschweigische Staatsbank war durch Herzog Karl I. zu Braunschweig-Lüneburg 1765 als Herzogliches Leyhaus gegründet worden. Sie war die erste Staatsbank auf deutschem Boden.

Mehr Tradition geht nicht.
Mit dem Ende der Filiale Dankwardstraße ist eine für Braunschweig so bittere Entwicklung von rund 55 Jahren faktisch vollendet, die 1970 als Fusion auf Augenhöhe zur Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) zwischen Hannover und Braunschweig begonnen hatte. Aber tatsächlich war sie seit jeher in der Gewichtung von Einfluss und Bedeutung bis heute systematisch immer mehr zum Nachteil Braunschweigs und des Braunschweiger Landes ausgestaltet worden.
Leerstand öffnet die Augen
Die Braunschweigische Landessparkasse war von Gründung der Nord/LB an bis zum 1. Januar 2008 lediglich eine rechtlich unselbstständige Abteilung gewesen. Nach einem mehrjährigen Kampf der Kommunen, angeführt vom Braunschweiger Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann, mit dem Land Niedersachsen war es im Rahmen einer Kompromisslösung gelungen, die Braunschweigische Landessparkasse innerhalb der Nord/LB als teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts zu gründen. Durch den neuen Leerstand in der Dankwardstraße wird allen Braunschweigerinnen und Braunschweigern aber vor Augen geführt: Der Erfolg von damals wird nun vollends konterkariert.










