Die seit zwanzig Jahren erforderliche Umgestaltung und Sanierung wird immer weiter verschoben
Der Rathaus-Anbau ist seit zwanzig Jahren ein täglich diskutiertes Thema. Der Betonklotz wird von ganz vielen Passanten als städtebaulicher „Schandfleck“ angesehen und die städtischen Mitarbeiter klagen über energetisch nicht mehr tragbare Zustände. Es pfeift durch die Fenster, moderne Wärmedämmung ist nicht vorhanden. Im Sommer ist es zu heiß, im Winter zu kalt. Trotz vieler Ankündigungen der Stadtverwaltung und schöner Computergrafiken bleibt jedoch alles unverändert trostlos, grau in grau und ein Ärgernis für alle jene, die es mit der Energieeffizienz ernstnehmen. Die Bürger fragen sich zu Recht, wie der Sachstand ist und wann es endlich losgeht mit der Umgestaltung und Sanierung.
25 Millionen Euro bewilligt
Bereits 2005 waren ein Abbruch oder Teilabbruch des Rathaus-Anbaus gefordert worden. Im Zuge der Schlossrekonstruktion kam ein derartiges Ansinnen erneut auf, wurde aber wieder aus Kostengründen nicht weiterverfolgt. Hoffnung keimte auf, als 2021 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben wurde, den Giesler Architekten aus Braunschweig mit einem sehr gelungenen Entwurf für sich entschieden. Rund 25 Millionen Euro hatte der Rat der Stadt für die Sanierung bewilligt. Passiert ist, mit Ausnahme des Umzugs einer Reihe von Mitarbeitern in das BraWo-Center III, seither fast nichts. Über 30 Jahre hat die Stadt das Hochhaus gemietet und unter anderem mit der anstehenden Sanierung des Rathaus-Anbaus begründet.
Ernüchternder Sachstand
Der ernüchternde aktuelle Sachstand war Thema der jüngsten Ratssitzung. Es wird weiter vertröstet auf unbestimmte Zeit. Die Vorplanungen seien abgeschlossen, die eine belastbare Kostenschätzung möglich gemacht hätten, ließ die Stadtverwaltung verlauten. Die für das Projekt vorgesehenen Mittel reichten jedoch nicht aus. Deswegen würde die bisherige Planung in Hinblick auf Notwendigkeit und Mehrwert der einzelnen Planungsbestandteile priorisiert. Mal wieder kam nichts Konkretes heraus, außer der Tatsache, dass der Siegerentwurf, auf den sich alle gefreut hatten, wohl nichts umgesetzt werden kann.
Entscheidung Ende 2026
Die Planungen würden von der Struktur-Förderung Braunschweig GmbH (SFB) überprüft und überarbeitet. Sobald die Ergebnisse vorlägen, würde voraussichtlich im vierten Quartal des nächsten Jahres eine abschließende Entscheidung gefällt werden. Dann sind mehr als fünf Jahre seit Abschluss des Architektenwettbewerbs ins Land gegangen. Kostensteigerungen verwundern da nicht.
Die Prioritäten der Stadtverwaltung lagen in den vergangenen fünf Jahren offensichtlich auf anderen Dingen wie zum Beispiel Velorouten oder Pocketparks. Dabei hätte dem Rathaus-Anbau angesichts der Wirkung für das Stadtbild, den Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und der energetischen Verschwendung mit entsprechenden Auswirkungen für den Umweltschutz eine größere Aufmerksamkeit gebührt.
Zweifel an der Realisierung
Nicht zuletzt wegen der explodierenden Schuldenlast der Stadt und den Hundert-Millionen-Projekten, Stadthallensanierung und Haus der Musik, sowie den hochtrabenden Plänen für die Bahnstadt sind Zweifel angebracht, ob die Umgestaltung und Sanierung der „Bausünde“ aus den frühen 1970er Jahren zeitnah angepackt wird. Viele Bürger wünschten sich eine andere Prioritätensetzung, die zunächst die Instandsetzung der vorhandenen Infrastruktur in den Fokus rückt, anstatt immer neue und kostspielige Baustellen aufzumachen.









