Betonpoller sind Teil des veränderten Stadtbilds

Demonstranten beim „Aufstand der Anständigen“ nach der Debatte zur Migrationspolitik kurz vor der Bundestagswahl.
Demonstranten beim „Aufstand der Anständigen“ nach der Debatte zur Migrationspolitik kurz vor der Bundestagswahl. ©Shutterstock

Das sinkende subjektive Sicherheitsempfinden der Braunschweiger muss thematisiert werden

Wer sich kritisch mit dem sich in im vergan­genen Jahrzehnt verän­derten Stadtbild ausein­an­der­setzen will, der wird reflex­artig, aber unreflek­tiert vom linken politi­schen Lager mit dem Vorwurf, „auslän­der­feind­lich“ oder gar „rassis­tisch“ zu sein, konfron­tiert. Dabei geht es nicht, wie oft behauptet und bewusst falsch verstanden wird, um das Ausgrenzen von regulär einge­reisten Migranten, die in Deutsch­land Asyl erhalten, integriert sind und als Arbeits­kräfte ihren Beitrag leisten, sondern um illegale Migration, Sozial­miss­brauch, Straf­taten oder Islamisten-Demons­tra­tionen mit Rufen nach der Errich­tung eines Kalifats wie exempla­risch und medien­wirksam im April 2024 in Hamburg geschehen. Wenn Bundes­kanzler Friedrich Merz also von Verän­de­rungen im Stadtbild und dessen Auswir­kungen spricht, so ist ihm objektiv zuzustimmen, weil es nur die Fakten­lage wieder­spie­gelt – auch die in Braun­schweig.

Das passt jedoch nicht in die Erzäh­lungen von Organi­sa­tionen wie der „Seebrücke“, die Mitver­an­stalter einer Demons­tra­tion unter dem wenig demokra­ti­schen Motto „Wir besetzen den Diskurs – und die Stadt“ am 8. November auf dem Schloss­platz ist. Zusammen mit anderen Organi­sa­tionen wollen sie „margi­na­li­sierte und migran­ti­sche Perspek­tiven“ ins Stadtbild rücken. Die Stadt Braun­schweig hat sich vor Jahren zum „sicheren Hafen“ ausge­rufen und solida­ri­siert sich unver­än­dert mit der Initia­tive „Seebrücke“. Rund zwei Drittel der Deutschen stimmen aber laut ZDF-Polit­ba­ro­meter den Aussagen von Bundes­kanzler Friedrich Merz zu. Die unvor­ein­ge­nom­mene Debatte ist also erfor­der­lich und überfällig.

Täter war illegal eingereist

Bald beginnt wieder der tradi­ti­ons­reiche Braun­schweiger Weihnachts­markt. Doch die Zeiten an denen völlig unbeschwert über den Burgplatz, den Domplatz und den Platz der der Deutschen Einheit gebummelt werden konnte, sind vorbei. Beton­poller und Straßen­sperren prägen dort längst das Stadtbild. Sie müssen seit 2017 die Besucher schützen. Es ist eine notwendig gewordene Reaktion auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachts­markt am 19. Dezember 2016 und weiterer Auto-Attentate. Damals war ein Atten­täter der Terror­miliz „Islami­scher Staat“ mit einem Lastwagen in die Menschen­menge gefahren, tötete dreizehn Personen. Der Täter war mit Beginn der Flücht­lings­krise am 6. Juli 2015 illegal nach Deutsch­land einge­reist.

In großen Teilen des sogenannten „Kult-Viertels“ gilt seit einigen Monaten zwischen 20 und 6 Uhr eine Waffen­ver­bots­zone. Betroffen sind die Friedrich-Wilhelm-Straße, die Wallstraße, der Friedrich-Wilhelm-Platz, die Bruch­straße, die Straße Am Wassertor und die Leopold­straße. Große, gelbe Schilder mit der Aufschrift „Verbot von Waffen und gefähr­li­chen Gegen­ständen“ gab es bis dahin nicht im Stadtbild. Immer häufiger kommt es auch in Braun­schweig zu Messer­an­griffen.

Waffenverbotszone am Friedrich-Wilhelm-Platz.
Waffen­ver­bots­zone am Friedrich-Wilhelm-Platz. @BiF

Immer mehr Messergewalt

Bundes­weit wurden 2024 mehr als 29.000 Straf­taten mit Messer­ge­walt erfasst. In der öffent­li­chen Diskus­sion taucht das Thema aber meist nur nach spekta­ku­lären Fällen auf. Etwa nach dem Anschlag von Solingen, wo ein 26-jähriger Syrer am 23. August 2024 drei Menschen abstach und zehn weitere verletzte. Oder nach dem Messer­an­griff in Mannheim am 31. Mai 2024, als ein 25-jähriger Afghane einen deutschen Polizisten tötete und fünf weitere Personen schwer verwun­dete. Im Zustän­dig­keits­be­reich der Bundes­po­lizei an Bahnhöfen und Flughäfen wurden im vergan­genen Jahr 1261 Gewalt­de­likte regis­triert. 448 Täter waren deutsche Staats­bürger, 818 nicht.

Verödung der Innenstadt

Die von der Stadt­ver­wal­tung durch­ge­führte „umfas­sende Bürger­um­frage zur Einschät­zung und Bewertung der Lebens­be­din­gungen in Braun­schweig“ aus dem Jahr 2023 brachte in Bezug auf das subjek­tive Sicher­heits­ge­fühl bedenk­liche Zahlen zum Vorschein: Rund zwei Drittel (61 Prozent) fühlen sich bei Einbruch der Dunkel­heit in Parks und Grünan­lagen unsicher, mehr als die Hälfte in Parkhäu­sern und Tiefga­ragen (54 Prozent) sowie mehr als jeder Dritte in der Innen­stadt. Diese Unsicher­heit verstärkt die Tendenz zur Verödung der Innen­stadt.

Zu den Aufgaben des Staates zählt die Straf­ver­fol­gung und die Ahndung von Straf­taten. Im vergan­genen Jahr gab es 788 Gruppen­ver­ge­wal­ti­gungen. Das teilte die Bundes­re­gie­rung. Der Anteil nicht­deut­scher Tatver­däch­tiger habe 2024 bei 51 Prozent gelegen. Auf die Frage nach den häufigsten in der Polizei­li­chen Krimi­nal­sta­tistik regis­trierten Staats­an­ge­hö­rig­keiten neben der deutschen nennt die Bundes­re­gie­rung für 2024 Syrien, Afgha­ni­stan, Irak und Türkei.

Auch die unerlaubte Einreise und der unerlaubte Aufent­halt in Deutsch­land sind nach dem Aufent­halts­ge­setz (§ 95 AufenthG) Straf­taten, die mit Geld- oder Freiheits­strafen geahndet werden können. Die Verfol­gung ist bis zum Abschluss des Asylver­fah­rens ausge­setzt. Wird dem Asylan­trag aber nicht statt­ge­geben, muss die Ausreise erfolgen. Übrigens: Auch die Unter­stüt­zung bei illegaler Migration (zum Beispiel durch Schleu­sung) ist strafbar.

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