Baustellen spitzen Überlebenskampf zu

Ein Jahr gesperrt: Die Helmstedter Straße zwischen Steintorwall und Kastanienallee. ©BiF
Ein Jahr gesperrt: Die Helmstedter Straße zwischen Steintorwall und Kastanienallee. ©BiF

Straßensperrungen belasten den stationären Einzelhandel in Braunschweig extrem

● Kunden bleiben genervt weg
● Fragwür­dige Koordi­nie­rung

Es ist zurzeit kein Vergnügen, aus dem Umland nach Braun­schweig zum Einkaufen in die Innen­stadt zu kommen. Tradi­tio­nell zählt Braun­schweig zu den stärksten Einkaufs­städten in Nieder­sachsen, aber die Stadt schwä­chelt mehr und mehr. Dazu trägt aktuell auch die immer kriti­scher werdende Erreich­bar­keit der Innen­stadt durch eine Vielzahl von Baustellen, erhöhte Parkge­bühren und autoun­freund­liche Politik auf Kosten von Parkplätzen bei. Der große Bruch kam belegbar durch die Corona-Lockdowns, aber die Motiva­tion nach Braun­schweig zu kommen, hatte schon vorher abgenommen. In Summe ist die sogenannte Einzel­han­dels­zen­tra­lität, die belegt, wieviel Kaufkraft aus dem Umland zufließt, nach dem Hoch durch die Ansied­lung der Schloss-Arkaden massiv gesunken.

Weniger Kunden von außerhalb

Der Kaufkraft­zu­fluss betrug im Jahr 2017 für Nieder­sachsen noch überra­gende 481 Millionen Euro. Im Corona-Jahr 2022 sank die Summe auf nur noch 189 Millionen Euro. Und für das laufende Jahr haben die Michael Bauer Research GmbH (Nürnberg), die CIMA Beratung + Manage­ment GmbH und die BBE Handels­be­ra­tung GmbH (beide München) einen nicht viel besseren Zufluss von 225 Millionen Euro prognos­ti­ziert. Angesichts dieser Zahlen sind Leerstände in der Braun­schweiger Innen­stadt keine Überra­schung mehr. Gleich­wohl zählt Braun­schweig immer noch zu den attrak­tivsten Einkaufs­städten bundes­weit. Das geänderte Kaufver­halten mit der verstärkten Nutzung des Online-Handels macht dem statio­nären Einzel­handel dennoch große Sorgen.

Einzelhandelszentralität
Kaufkraftzufluss in die Stadt Braunschweig (D=100) 
Daten Michael Bauer Research GmbH, Nürnberg und CIMA Beratung + Management GmbH / BBE Handelsberatung GmbH, München"
Daten Michael Bauer Research GmbH, Nürnberg und CIMA Beratung + Manage­ment GmbH / BBE Handels­be­ra­tung GmbH, München

Viele Sperrungen gleichzeitig

Umso bitterer ist die Erkenntnis, dass es gegen­wärtig sehr nervig ist, die Innen­stadt Braun­schweigs zu erreichen. Die Theodor-Heuss-Straße wird zwischen Frank­furter Straße und Eisen­büt­teler Straße bis mindes­tens Ende Oktober saniert und behindert Autofahrer im Süden Braun­schweigs. Bis Ende 2026 wird der Bültenweg saniert und erschwert An- und Abreise für Auswär­tige aus dem Norden. Die Helmstedter Straße wird für die Anlage einer umstrit­tenen Veloroute zwischen Stein­tor­wall und Kasta­ni­en­allee für ein Jahr gesperrt, und wird aus dem Osten kommende Autofahrer nerven.

Für die Neuge­stal­tung des Hagen­markts werden motori­sierte Besucher der Innen­stadt erheb­liche Behin­de­rungen in Kauf nehmen müssen. Dazu kommt eine Vielzahl kleinerer Baustellen, die offen­sicht­lich auch nicht mit Hochdruck bearbeitet werden. Neben den Verkehrs­teil­neh­mern ist besonders der statio­näre Einzel­handel in der Innen­stadt von den Einschrän­kungen betroffen.

Es steht Ärger ins Haus

Fraglich ist in diesem Zusam­men­hang, ob die Koordi­nie­rung der Großbau­stellen durch die Stadt­ver­wal­tung immer gut gelungen ist. So zog Sturmtief „Xavier“ am 5. Oktober 2017 über Braun­schweig hinweg und hinter­ließ am Hagen­markt gravie­rende Schäden mit umgeknickten Bäumen. Es dauerte nun sage und schreibe acht Jahre bis zur Umgestal­tung mit der Sperrung des Teilstücks vom Bohlweg. Veran­schlagt waren bei Ratsbe­schluss 5 Millionen Euro. Mittler­weile sind die Kosten­pro­gnosen bereits bei sieben Millionen Euro angekommen. Eine rasche Neupflan­zung von Bäumen und die Sanierung des Platzes wäre nicht nur die günsti­gere, sondern auch die von Bürgern und Einzel­händ­lern deutlich akzep­tier­tere Lösung gewesen. Jetzt steht mehr als ein Jahr lang Ärger ins Haus und kostet weitere Einzel­han­dels­zen­tra­lität.

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