Abstufung hätte negative Folgen 

Tourismus-Flugzeug nach der Landung. ©BiF
Tourismus-Flugzeug nach der Landung. ©BiF

Forschungsflughafen ist mehr als das, was die Bilanz widerspiegelt

● Steuerzahlerbund kurzsichtig
● Erfolgsgeschichte ungebremst

Es verwun­dert schon, dass ausge­rechnet der Bund der Steuer­zahler in Nieder­sachsen die Debatte um den Forschungs­flug­hafen Braun­schweig-Wolfsburg als Verkehrs­flug­hafen wegen aus seiner Sicht zu hoher kommu­naler Zuschüsse neu entfacht. Schon in der Vergan­gen­heit hatten unver­bes­ser­liche Flugha­fen­gegner die Abstufung von einem Verkehrs- zu einem Sonder­flug­hafen gefordert, weil so die finan­zi­elle Belastung der kommu­nalen Anteils­eigner reduziert werden könnte. Dabei ist der Forschungs­flug­hafen unver­än­dert eine große Erfolgs­ge­schichte, die erheb­li­ches Steuer­auf­kommen generiert, sehr viel mehr jeden­falls, als die kommu­nalen Zuschüsse auch nur ansatz­weise ausmachen.

Wirtschaftliche Bedeutung und Arbeitsplatzfaktor

Der Forschungs­flug­hafen ­bietet ak­tuell rund 3.700 hoch ­quali­fi­zierte Arbeits­plätze direkt vor Ort und mehr als 4.000 im Umfeld. Die Zahl der Beschäf­tigten unmit­telbar am Forschungs­flug­hafen hat sich in den vergan­genen Jahren mehr als verdop­pelt. Es sind nicht nur die Beschäf­tigten, die ihre Steuern bezahlen, sondern auch mehr als 40 Unter­nehmen, die die erfor­der­li­chen kommu­nalen Zuschüsse als Margi­na­lien erscheinen lassen. Aktuell wird mit einem Zuschuss­be­darf von 2,8 Millionen Euro für das Jahr 2025 gerechnet. Jeder Euro ist gut inves­tiert. Denn dank der Start­bahn­ver­län­ge­rung 2012 erreichte der Standort seine überra­gende Attrak­ti­vität.

Innovationsstandort und Investitionen

Heute ist der Forschungs­flug­hafen eins der innova­tivsten Wirtschafts- und Wissen­schafts­zen­tren Europas in Sachen Mobili­täts­for­schung. Das in dieser Form einzig­ar­tige Cluster umfasst zahlreiche inter­na­tional angese­hene Forschungs­zen­tren und Bundes­for­schungs­in­sti­tute wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dazu kommen Firmen wie Aerodata oder Simtec, die in ihren Geschäfts­fel­dern den Status eines Weltmarkt­füh­rers erreicht haben.

Aktuell entsteht am Forschungs­flughafen das Fraun­hofer-Zentrum für Energie­spei­cher. Erforscht wird dort die Entwick­lung von System­lö­sungen für Energie­spei­cher und Wasser­stoff­tech­no­lo­gien. Direkt daneben wird das Forschungs­zen­trum „Center for Circular Produc­tion of Next Batteries and Fuel Cells“ an der TU gebaut. Die Inves­ti­ti­ons­summe für beide Gebäude liegt zusammen bei knapp 150 Millionen Euro. Es entstehen rund 250 Arbeits­plätze.

Und darüber hinaus erfreut sich der Tourismus steigender Beliebt­heit. Um das Provi­so­rium zur Abfer­ti­gung im Altbau zu besei­tigen, wurde ein neuer Terminal errichtet. Touris­mus­flüge von Braun­schweig aus sind nun komfor­ta­bler möglich. Mehrfach wurde der Verkehrs­flug­hafen Braun­schweig-Wolfsburg zudem als Ausweich­flug­hafen für Hannover benötigt. Auch der Vorplatz wurde „entstaubt“ und bietet nun ein angemes­senes Erschei­nungs­bild.

Gefahren und mögliche Folgen einer Abstufung

Eine Abstufung zum Sonder­flug­hafen würde, da sind sich Experten einig, die Attrak­ti­vität erheblich abschwä­chen und perspek­ti­visch Arbeits­plätze, Ansied­lungen und damit Steuerein­nahmen kosten. Bereits im Jahr 2019 hatte die Stadt den Flugha­fen­geg­nern erklärt, dass der Flughafen aus Sicht der Verwal­tung eine zentrale Infra­struk­tur­ein­rich­tung von heraus­ra­gender wirtschaft­li­cher Bedeutung für die Stadt ist. Rund um den Ver­kehrsflughafen haben Bund, Land, Forschungs­ein­rich­tungen, Un­ter­nehmen und die Stadt Braun­schweig mittler­weile mehr als 300 Millionen Euro inves­tiert, um eine Infra­struktur zu schaffen, die an keinem anderen Flughafen europa­weit vorzu­finden ist. Nirgendwo sind Forschungs­flug­zeuge, Windka­näle, Simula­toren und Prüfstände in so großer Zahl und von so hoher Qualität versam­melt wie in Braun­schweig.

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